Es ist ein Dokument des Grauens: Der jährliche Bericht zur Lage der Medien in den USA sieht die Branche "bedrohlich nahe vor dem freien Fall". Besonders gefährdet seien Wochenmagazine und Tageszeitungen. Der Grund: 2008 informierten sich erstmals mehr Amerikaner auf Nachrichten-Webseiten als in gedruckten Blättern. Das Internet hat die gedruckten Medien endgültig überholt.

Akribisch dokumentieren die Wissenschaftler des Pew Research Center die Symptome der Medienkrise: So sank die tägliche Auflage der  amerikanischen Zeitungen im vergangenen Jahr um 4,6 Prozent, die Gewinne schrumpften gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent – im Vergleich zu 2006 sogar um 23 Prozent. Die Branche verlor schätzungsweise zehn Prozent ihrer Arbeitsplätze. Die Pew-Forscher gehen davon aus, dass Ende des Jahres im Vergleich zu 2001 ein Viertel aller journalistischen Jobs verschwunden sein wird.

Doch nicht nur Jobs sind in Gefahr, ganze Zeitungshäuser stehen vor dem Ruin; oder haben ihn schon hinter sich. Ende Februar lief bei den Rocky Mountain News die letzte Ausgabe über die Druckpressen. Die Tageszeitung aus Denver musste nach fast 150 Jahren ihren Betrieb einstellen.

In San Francisco ist der Chronicle akut bedroht. Sollte sich nicht schnellstens ein Käufer finden, könnte die Metropole demnächst die erste große Stadt in den USA sein, in der es keine lokale Zeitung mehr gibt.

Auch der Seattle Post-Intelligencer stand kurz vor dem Aus, doch der Verleger zog eine ungewöhnliche Notbremse: Eingestellt wurde Anfang der Woche nur die Druckausgabe. Publiziert wird jetzt ausschließlich über das Internet. Andernorts erscheint die Druckausgabe bloß noch am Wochenende. Werktags gibt es nur noch die Internet-Ausgabe.

Die Verfasser des Pew-Reports halten einen generellen "Online-only-Trend" allerdings für unwahrscheinlich. Denn noch generieren Tageszeitungen rund 90 Prozent ihrer Erlöse aus dem Print-Geschäft.