Die Worte der Kanzlerin waren abwägend, eher fragend als fordernd, aber die Schlagzeilen waren eindeutig: Merkel fordert unangekündigte Waffenkontrollen, hieß es plötzlich. Dabei hatte die CDU-Politikerin nach dem Amoklauf von Winnenden in ihrer typischen Art am Wochenende in einem Radio-Interview eher laut nachgedacht. Angemahnt, dass die vorgeschriebene Aufbewahrung von Waffen auch zu kontrollieren sei, und schließlich gefragt: "Kann man vielleicht durch unangemeldete Kontrollen oder Ähnliches vielleicht noch stärker hinterherschauen."

Hintergrund der Überlegungen: Der Amokschütze von Winnenden hat seine Tat möglicherweise auch deshalb begehen können, weil dessen Eltern ihre Sportwaffen ordnungsgemäß aufbewahrt hatten, so dass der 17-jährige Tim K. eine Pistole aus dem Keller des elterlichen Hauses nehmen konnte.

Doch allein das Schlagwort "unangemeldete Kontrollen" aus dem schnell das innenpolitische Reizwort "verdachtsunabhängige Kontrollen" wurde, lies die SPD aufschrecken. Schließlich genießt die Unverletzlichkeit der Wohnung Verfassungsrang, und auch in anderen Fällen hatten sich vor allem Bürgerrechtler gegen die Einführung verdachtsunabhängiger Kontrollen bzw. Einschränkung von Grundrechten gewehrt.

Von "aktionistischem Populismus" sprach denn auch der Innenexperte der SPD-Bundestagsfraktion Sebastian Edathy im Gespräch mit ZEIT ONLINE, man könne nicht einfach das Grundgesetz ändern, um "anlass- und grundlos Hausdurchsuchungen zu veranlassen. Angesichts der vielen Waffenbesitzer könnten zudem nicht genügend Stichproben durchgeführt werden, um einen erzieherischen Effekt zu erzielen. Gesetzgeberischen Handlungsbedarf sieht Edathy nicht, schließlich sei das Waffengesetz gerade erst verschärft worden, der Kanzlerin hingegen warf er vor, sie habe "aus Hilflosigkeit jedes Maß verloren".

Doch wenn die Kanzlerin von ihrem Koalitionspartner so heftig angegangen wird, dann springen ihr die Parteifreunde fast zwangsläufig bei. Für den CDU-Innenexperten Wolfgang Bosbach ist es denn auch eine "Selbstverständlichkeit", dass das Waffenrecht mit seinen Vorschriften zur Aufbewahrung von Waffen kontrolliert wird, auch ohne Ankündigung. Sonst mache dies schließlich keinen Sinn, sagte er im Gespräch mit ZEIT ONLINE, gegebenenfalls müsse dafür auch der Artikel 13 Grundgesetz geändert werden.