Wie gelangt ein 17-Jähriger an eine Waffe? Im Fall von Tim K., der in dem baden-württembergischen Ort Winnenden zum Amokläufer wurde und 15 Menschen mit in den Tod nahm, besitzt der Vater 15 ordnungsgemäß registrierte Waffen. 14 befinden sich in einem verschlossenen Tresor. Die Pistole der Marke Beretta, mit der der ehemalige Schüler zum Mörder wird, lag dagegen offen zugänglich in einer Schublade im Schlafzimmer.

Der Vater ist Sportschütze und Mitglied in einem Schützenverein. Nicht jeder Schützenverein ist jedoch gleichzeitig ein Sportschützenverein. Im nordrhein-westfälischen Neuss beispielsweise, in dem das Schützenwesen traditionell eine große Rolle spielt, geht nur eine Gesellschaft dem aktiven Schießsport nach.

Nur einmal im Jahr, wenn der Schützenkönig ausgeschossen wird, kommt ein Zwölf-Millimeter-Gewehr zum Einsatz. Dann richtet ein ausgebildeter Sportschütze die Waffe samt Munition für den Kandidaten ein und auch der Abschuss findet unter Aufsicht statt, beschreibt Herbert Geyr, Major und 1. Vorsitzender der Neusser Schützenlust. Anschließend wird es sachkundig wieder weggeschlossen. Sonst haben die Schützenzüge höchstens Luft- oder Kleinkalibergewehre.

Der Ursprung des Schützenwesens ist im Mittelalter zu suchen. Damals sorgten Bürgerwehren für die Sicherheit ihrer Städte. Damit der Gebrauch der Waffen geübt wurde, gab es einmal im Jahr das sogenannte Stadtschießen – verknüpft mit Preisverleihungen und einem großen Fest. Die Tradition hält sich bis heute, allerdings mit verändertem Schwerpunkt.

So betont Geyr vor allem "die soziale Komponente" des Schützenwesens: "Man hilft sich gegenseitig." Die kleinste Einheit sei der Zug, "ähnlich wie ein Kegelclub". Die Mitglieder kämen aus allen Bevölkerungsgruppen, "vom Hartz-IV-Empfänger bis zum Bürgermeister", erklärt er.