Das Urteil "Lebenslang" nimmt Josef Fritzl ruhig und gefasst an, dann kommt er der Richterin zuvor. "Ich nehme das Urteil an", sagt er, noch bevor er überhaupt gefragt wurde. Die Richterin stellt daraufhin die Frage, er wiederholt die Antwort, nach kurzem Blick zu seinem Verteidiger. Die Richterin macht ihn noch zweimal auf die Möglichkeit aufmerksam, Rechtsmittel einzulegen. Doch Fritzl lehnt ab, auch die Bedenkzeit interessiert ihn nicht. Das Urteil ist damit rechtskräftig.

Die Geschworenen hatten den Inzesttäter von Amstetten zuvor in allen Punkten schuldig gesprochen: Mord durch Unterlassung an seinem Sohn und Enkel, der als eines von sieben Kindern mit seiner Tochter kurz nach der Geburt gestorben war; Sklaverei, Freiheitsentziehung, tausendfache Vergewaltigung, Blutschande, Nötigung. Ein eindeutiges Urteil, an dem von vorneherein eigentlich kein Zweifel bestand, nach einem bis heute unfassbaren Verbrechen.

Richterin Humer führte an, dass das Gericht einige Punkte als mildernde Umstände gewertet habe, vor allem das umfängliche Geständnis Fritzls am vorletzten Prozesstag. Allerdings zählten die erschwerenden Aspekte weitaus mehr: Die Vergewaltigungen habe Fritzl unzählige Male verübt, den Freiheitsentzug und die Nötigung an mehreren Personen begangen, bei seiner Tochter 24 Jahre lang und auch an drei der gemeinsamen Kinder. Die Gefangennahme der Tochter sei überdies heimtückisch gewesen, sie habe keine Chance auf Gegenwehr gehabt.

Fritzl selbst hatte in seinem Schlusswort, wie schon in seinem Geständnis am Tag zuvor, alle Schuld auf sich genommen: "Ich bereue es aus ganzem Herzen, was ich meiner Familie angetan habe. Ich kann es leider nicht mehr gut machen. Ich kann nur schauen, den Schaden nach Möglichkeit zu begrenzen", sagte er.