Der Bund Deutscher Kriminalbeamter wünscht sich einen "Notrufknopf" für das Internet und meint das völlig ernst. So sollen sie in Zukunft Hilfe bekommen – und zum Beispiel Anbieter von Kinderpornografie, Betrüger oder Nutzer illegaler Tauschbörsen im Internet ermittelt werden.

Klaus Jansen, Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) sagt: "Es muss die Möglichkeit geben, dass Nutzer durch das Drücken eines Buttons einen Sachverhalt quasi einfrieren." Dann solle sich ein Team von Experten, darunter Psychologen und Polizisten, diese Seite mit dem problematischen Inhalt anschauen und entscheiden, wie weiter vorgegangen werde. "So als würde man einen Notrufknopf im Fahrstuhl drücken, der eine Benachrichtigung und sofortige Hilfeleistung auslöst."

Das müsse "in Echtzeit" geschehen, sagte Jansen ZEIT ONLINE, damit der Täter nicht längst wieder verschwunden sei. Das Telefon und die klassische Notrufnummer 110 seien dafür viel zu langsam.

Um die Geschwindigkeit aber geht es überhaupt nicht. Es geht um Kompetenz, besser das Fehlen derselben. Das gibt auch Jansen zu: "Rufen Sie mal die 110 an in so einer Situation. Da müssen Sie erst einmal jemanden finden, der so viel Ahnung vom Internet hat." Die Suche könne schwierig werden, glaubt Jansen. "Ungefähr ein Prozent der Polizisten ist überhaupt in der Lage, im Internet richtig zu agieren. Die Polizei ist noch nicht kompatibel mit der IT-Welt."

Es ist also gar kein technischer Mangel, den der BDK und Familienministerin Ursula von der Leyen – die dasselbe fordert – beheben wollen. Es ist eher ein Versagen des Staates, ein gesellschaftliches Problem, eine "digitale Kluft", wie es der Internetbranchenverband Bitkom nennt . Die Spaltung zwischen jung und alt, zwischen gebildet und ungebildet.

Auf diese Kluft verweist auch Jansen, wenn er sagt: "50 Prozent der Kriminalpolizisten ist älter als 50 Jahre." Mit Schulungen dauere es viel zu lange, die notwendige Kompetenz aufzubauen. "Ich halte das nicht für Erfolg versprechend, wenn wir einigermaßen schnell Fortschritte machen wollen."