Das Leben von Palästinensern sei sehr viel weniger wichtig gewesen, als das Leben der israelischen Soldaten, sagte ein Kommandeur. Beim Stürmen von Häusern hätten die Soldaten oft erst gefeuert und dann geprüft, ob Gegner in dem Gebäude gewesen seien. "Die Vorgesetzten sagten uns, dies sei in Ordnung, weil jeder, der dageblieben ist, ein Terrorist sei", zitiert Haaretz einen Soldaten. Ein anderer berichtet davon, dass Soldaten "Tod den Arabern" auf Wände schmierten und Familienfotos aus Häusern mitnahmen, sie aus dem Rahmen rissen und auf die Bilder spuckten.

Die Armee kündigte am Donnerstag eine Untersuchung der Vorwürfe an. Der Generalanwalt Achivai Mendelblit beauftragte die Militärpolizei mit der Untersuchung. Hochrangige Offiziere sprachen von ernsthaften moralischen Problemen innerhalb der Armee. Verteidigungsminister Ehud Barak stellte sich in einem Interview mit dem Sender Radio Israel vor seine Soldaten. "Wir haben die Armee mit der größten Moral auf der ganzen Welt", sagte er. Barak, der auch Vorsitzender der Arbeitspartei ist, betonte, dass er dutzende Jahre in Uniform verbracht habe und der Armee vom Generalstabschef bis zum einfachen Soldaten vertraue. Jeder Fall soll auf individuelle Schuld überprüft werden.

Bereits während der Kampfhandlungen hatten die Vereinten Nationen mögliche Kriegsverbrechen der israelischen Armee kritisiert. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte bei einem Besuch in Gaza-Stadt, dass die Verantwortlichen für die Angriffe auf Gebäude der Vereinten Nationen  zur Rechenschaft gezogen werden. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International prangerten die Verwendung von Phosphorbomben und Splittergeschossen an. Israels Armee hatte Kriegsverbrechen stets bestritten.