Zwei Monate hatte Barack Obama nach der Amtseinführung seinen politischen Beratern Zeit gegeben, um eine neue Strategie im Umgang mit Iran zu entwerfen. Langsam werden erste Konturen erkennbar, auch wenn die harschen Wortwechsel beider Seiten in den letzten Wochen zunächst munter weitergingen. Erst lud Außenministerin Hillary Clinton während ihrer Europareise Iran zu einer internationalen Afghanistan-Konferenz ein, die am 31. März in Den Haag stattfinden soll. Jetzt streckte Obama selbst in einer Videobotschaft zum persischen Neujahr seine Hand in Richtung Teheran aus, weiter als dies je einer seiner Vorgänger in den letzten 30 Jahren gemacht hat.

Doch die Reaktionen sind nicht gerade überschwänglich. Clintons Einladung für Den Haag wurde von der iranischen Führung bisher nicht beantwortet. Und Obamas historischer Offerte müssten nun Taten folgen, um "die Fehler der Vergangenheit zu reparieren", sagte ein Sprecher Ahmadineschads. Man wolle "die Animositäten" zwischen beiden Staaten beenden, dazu aber müssten die USA ihre "feindselige, aggressive und kolonialistische Haltung" beenden. Der iranische Präsident hatte Obama im November 2008 zu seinem Einzug in das Weiße Haus gratuliert und gefordert, dieser müsse einen radikalen Wechsel im Umgang mit Iran einleiten. Auf der Feier zum 30. Jahrestag der Islamischen Revolution Anfang Februar in Teheran erklärte Ahmadineschad in seiner Festrede, sein Land begrüße direkte Gespräche mit den Vereinigten Staaten, vorausgesetzt sie seien getragen von einer Haltung des gegenseitigen Respekts. 

Obamas Video markiert einen guten Anfang. Der US-Präsident zielt auf ein besseres Klima, verspricht ein Ende der Isolierung Irans. Und er wünscht dem Land einen Platz als respektiertes Mitglied im Kreis der Völker. Teheran muss jetzt abwägen, ob es sein provokantes Hantieren mit Raketen und Uranzentrifugen weiter treiben will, oder sich in Zukunft transparenter und kooperativer verhält. Denn nicht nur den USA, Europa und Israel sind die iranischen Atompläne ein Dorn im Auge. Fast alle arabischen Staaten melden sich immer gereizter gegen die angestrebte Dominanz Irans in der Region zu Wort. Sie werfen Teheran vor, überall radikale Kräfte zu sponsern. Und sie bereiten reihenweise den Bau von Atommeilern vor, weil sie ein atomares Wettrüsten fürchten.

Doch Obamas Initiative verlangt auch den USA eine erhebliche Kurskorrektur ab. Die Dämonisierung Irans als Mitglied einer Achse des Bösen war nur das letzte Kapitel einer langen Liste politischer Fehlgriffe. Für viele Iraner ist der 1953 von den USA inszenierte "Regime Change" noch unvergessen. Das Land wäre heute vielleicht eine funktionierende Demokratie, hätte der CIA damals nicht auf Befehl von US-Präsident Dwight Eisenhower den ersten vom Volk gewählten Regierungschef Mohammad Mossadeq gestürzt und Schah Reza Pahlevi an die Macht geputscht.

Mossadeq wollte die iranischen Ölfelder verstaatlichen, weil westliche Firmen damals praktisch den gesamten Gewinn außer Landes schafften. Im dem achtjährigen Krieg zwischen Irak und Iran unterstützten die Vereinigten Staaten Saddam Hussein mehr oder weniger offen – mit Satellitenfotos und günstigen Milliardenkrediten für seine Waffenkäufe. Über 20.000 iranische Soldaten starben durch irakisches Giftgas, ohne dass sich in Washington jemals dagegen Protest erhob. Schließlich schoss im Juli 1988 eine amerikanische Fregatte über dem persischen Golf aus Versehen einen iranischen Airbus mit 290 Menschen an Bord ab. Die Offiziere und ihr Vorgesetzter wurden befördert, aber nie zur Verantwortung gezogen. Auch fehlt bis heute eine offizielle Entschuldigung Washingtons bei den Familien der Opfer.