In Ungarn steht die dritte europäische Regierung infolge der weltweiten Finanzkrise vor dem Aus. Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany bot am Samstag seinen Rücktritt an. Für Reformen im Kampf gegen die Finanzkrise sei eine Zusammenarbeit mit anderen Parteien nötig, der er nicht im Weg stehen wolle, sagte Gyurcsany auf dem Parteitag seiner Sozialisten. Deshalb solle ein neuer Ministerpräsident eine stabile Regierung bilden. "Das Krisenmanagement und weitere Veränderungen brauchen einen stärkeren politischen und gesellschaftlichen Rückhalt als den gegenwärtigen," sagte der 47-Jährige. Anfang des Jahres waren bereits die Regierungen in Island und Lettland infolge der Finanzkrise zusammengebrochen.

Gyurcsanys Popularitätswerte waren zuletzt wegen Steuererhöhungen und seines strikten Sparkurses auf ein Rekordtief gesunken. Der Politiker hatte 2004 Peter Medgyessi als Ministerpräsident abgelöst und wurde zwei Jahre später im Amt bestätigt. Seit fast einem Jahr hat seine Regierung jedoch keine Mehrheit mehr, nachdem sich die Freien Demokraten aus der Koalition zurückzogen hatten.

Opposition fordert Neuwahlen

Eine ihm nahestehende Person sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Gyurcsany wolle die Macht mittels eines konstruktiven Misstrauensvotums übergeben. Ein Nachfolger und eine neue Regierung könnten dann bis Mitte April gefunden werden. Eine überstürzte vorgezogene Neuwahl solle verhindert werden. Bereits nächste Woche sollten Gespräche mit allen im Parlament vertretenen Parteien aufgenommen werden, um sich schnellstmöglich auf einen neuen Regierungschef zu einigen.

Die Freien Demokraten, die sich für einen noch härteren Sparkurs als die Sozialisten aussprechen, begrüßten Gyurcsanys Entscheidung. Sie sei verantwortungsbewusst und angemessen, sagte Parteichef Gabor Fodor. Man wolle sich nun mit den Sozialisten zusammensetzen, um über ein Programm zur Krisenbekämpfung und einen Regierungschef zu sprechen. Die größte Oppositionspartei Fidesz fordert dagegen Neuwahlen und will am Montag die Auflösung des Parlaments beantragen.