Vom einfachen Piloten zum ehrbaren Millionär könnte als Titel über dieser Geschichte stehen. Könnte, wenn Victor Bout seinem Geschäftsmodell treu geblieben wäre. Denn zunächst lieferte er Schnittblumen aus Südafrika in die Staaten am Persischen Golf. Mit drei alten Transportflugzeugen begründete der junge russische Offizier 1992 ein Wirtschaftsimperium. In den kommenden Jahren stieg er zu einem reichen Unternehmer, zum Arbeitgeber von mehr als 1000 Angestellten und zu einem der meistgesuchten Männer der Welt auf.

Denn reich wurde er, als er statt Kakteen russische Kalaschnikows lieferte, statt Gladiolen Granaten. Innerhalb kürzester Zeit stieg Victor Bout zu einer Größe im globalen Waffenhandel auf. Er missachtete das Völkerrecht und unzählige Gesetze, Zollvorschriften und Lieferungsverbote. Eine "Ikone des neuen illegalen Waffenhandels" nennt ihn Moises Naim , Chefredakteur von Foreign Policy und Experte für organisierte Kriminalität. Bout habe das Geschäft nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion "praktisch selbst erfunden".

Nun sitzt der 42-Jährige im thailändischen Bangkok in Haft. Die Polizeiorganisation Interpol, amerikanische Geheimdienste und Staatsanwaltschaften aus fünf Ländern hatten nach Victor Bout gefahndet. Ins Netz ging er schließlich amerikanischen Drogenfahndern der Behörde DEA, die sich als Mitglieder der kolumbianischen Terrorgruppe Farc ausgaben. Sie verhandelten mit Bout über eine angebliche Waffenlieferung, fanden heraus, wo er sich versteckte und gaben die Information an die thailändischen Sicherheitsbehörden weiter. Polizisten verhafteten den Waffenhändler in einem Fünf-Sterne-Hotel in Bangkok.

Die USA haben einen Auslieferungsantrag gestellt. Vermutlich steht Victor Bout bald vor einem amerikanischen Gericht. Eine Anklage in Thailand scheint ebenfalls möglich. In dem asiatischen Gericht, so befürchten US-Ermittler, droht Bout eine deutlich kürzere Strafe als in den USA. Der Russe versucht mit seinen Anwälten eine Auslieferung zu verhindern. Bis Ende März wollen die zuständigen Richter eine Entscheidung treffen.

Wo er auch angeklagt wird, die Liste der Staatsanwälte dürfte lang werden. Bout kaufte Maschinengewehre, Munition, Granaten, Raketen und Kampfhubschrauber aus den Beständen der Roten Armee und von russischen Rüstungsschmieden. Er belieferte Rebellengruppen in Afrika und Terrororganisationen auf der ganzen Welt. Zu seinen Kunden gehörte die angolanischen Unita, die Streitkräfte des liberianischen Warlords Charles Taylor, die Revolutionary United Front (RUF) in Sierra-Leone und Hutu-Milizen im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Mit dem von Bout geliferten Sturmgewehre, Raketenwerfer und Mörsergranaten wurde tausende Zivilisten abgeschlachtet.

Amerikanische Geheimdienste werfen Bout außerdem vor, dass er auch al-Qaida und die Taliban mit Waffen belieferte. 50 Millionen US-Dollar soll er allein in Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban verdient haben. Aber auch den USA war Bout gelegentlich nützlich. Mit seinen Flugzeugen soll er aber auch 2004 die amerikanischen und irakischen Streitkräfte im Irak beliefert haben. Auch Blauhelmsoldaten der UN brachten Bouts Flugzeuge an ihre afrikanischen Einsatzorte.