Auf dem Fünften Weltwasserforum in Istanbul tranken alle Teilnehmer Wasser nur aus Plastikflaschen. Egal ob Minister und damit Unterzeichner der lauwarmen Abschlusserklärung oder ob Aktivist des Gegenforums und Gegner jeder Kommerzialisierung: Wer durstig war, der griff zur Flasche.

In Istanbul trinken entweder nur ganz Mutige Leitungswasser oder jene, die absolut kein Geld haben. "Allah bringt uns das Wasser durch den Regen, doch die Geschäftsleute füllen es ab und verlangen dann Geld dafür", sagt Meral Demir, eine Mutter von drei Kindern. "Immer wenn ich für Wasser Geld hinlege, komm’ ich mir wie ein Trottel vor!"

Kadir Topbas, der Bürgermeister von Istanbul, dessen Partei den Namen Gottes nicht weniger im Mund führt als Frau Demir, ist stolz darauf, dass überhaupt noch Wasser fließt in der schnell wachsenden 13-Millionen-Stadt. Topbas hat dazu den Melen-Fluss angezapft, der mehr als 100 Kilometer östlich von Istanbul fließt. Denn der Grundwasserspiegel Istanbuls ist längst gefährlich abgesunken. In Ankara und Izmir, den beiden anderen großen Städten der Türkei, sieht die Lage nicht besser aus. Dort streitet man sich vor Gericht darum, wie gefährlich das Leitungswasser ist.

Auch sonst ist die Türkei nicht wirklich ein Modell für gute Wasserpolitik. Den Teilnehmern des Wasserforums wurde das gleich am ersten Tag bewusst, als eine Deutsche und ein Amerikaner ein Transparent "No risky dams " entrollten. Am nächsten Tag wurden die Aktivisten ausgewiesen. Ihr Protest richtet sich gegen eine Reihe von Dammbauprojekten, die parallel zum Wasserforum vor einem "Wassertribunal" einiger Nicht-Regierungsorganisationen verhandelt worden sind.

Ein Fall, der Yusufeli-Damm, ist selbst in der Türkei nur Wenigen bekannt. Er soll am Fluß Çoruh errichtet werden, in der Provinz Artvin, in nächster Nähe zu Georgien. Wird der Damm tatsächlich gebaut, müssen dafür mehrere Kapellen und Kirchen überschwemmt werden – wichtige Pilgerorte der Georgier. 17.000  Menschen müssten umgesiedelt werden. Zwar gibt es Pläne für deren Unterbringung, doch gänzlich unklar ist, was sie arbeiten und wovon sie leben sollen. Für das 460 Hektar große Naturschutzgebiet, das trotz seines Artenreichtums überflutet werden soll, gibt es keinen Ersatz.

Bei Tunceli fängt der türkische Osten an. Die Provinz und ihr Zentrum hießen bis 1938 Dersim. In diesem Jahr schlugen türkische Sicherheitskräfte dort einen Aufstand kurdischer Stämme gegen die Republik nieder. Der alte kurdische Name wurde durch einen türkischen ersetzt. Die Muttersprache der Bewohner ist weit überwiegend Zazaki, eine eigene nordwestiranische Sprache.