Zwar hatte in Europa bisher noch kaum jemand Gelegenheit, überhaupt eins seiner Produkte zu fahren. Doch trotzdem hat der kalifornische Hersteller Tesla jetzt schon seine zweite, elektrisch betriebene, Modellreihe angekündigt. Eine ausgewachsene Familienkutsche soll’s diesmal werden.

Aufsehen hatten die Kalifornier vor drei Jahren mit der Vorstellung ihres ersten Elektroautos, des Tesla Roadsters erregt: Der kleine Zweisitzer sollte es in unter vier Sekunden von null auf hundert Stundenkilometer schaffen, bei einer Spitzengeschwindigkeit von mehr als 200 km/h. Weil man mit der Präsentation den großen Herstellern eine lange Nase drehte und es mit dem flotten Sportwagen schaffte, einen alternativen Antrieb nicht ökologisch korrekt, sondern auch gleich noch sexy aussehen zu lassen, wurde Tesla vielerorts zum Synonym für den Elektroantrieb von Fahrzeugen an sich. In Europa soll der Roadster allerdings erst ab Mai 2009 angeboten werden, für knapp 120.000 Euro.

Und nun also schon der nächste: Die "Model S" genannte Limousine soll voraussichtlich im Jahr 2011 auf den Markt kommen. Tesla annonciert sie deshalb als das erste Elektroauto weltweit für die Massenproduktion, ungeachtet der Tatsache, dass auch Opels Ampera im gleichen Jahr auf Käuferjagd gehen soll. Dafür soll der Familien-Tesla einiges bieten, was aufhorchen lässt. Sieben Sitzplätze etwa, oder zwei Kofferräume, die dadurch zu Stande kommen, dass sich Akkus und Antriebstechnik in einem doppelten Unterboden befinden, so dass der Motorraum für Gepäck frei werden soll.

Und natürlich soll auch das "Model S" nicht direkt langsam sein: Immerhin eine Beschleunigung von null auf 100 in unter sechs Sekunden, eine Spitze von um die 200 Stundenkilometer. Eine ebenfalls angekündigte Sportversion soll den Sprint sogar noch schneller erledigen. Und das mit gutem Gewissen, da zumindest lokal emissionsfrei (von den Kraftwerken zur Stromerzeugung reden wir jetzt mal nicht).

Bleibt die Frage, wie oft der kommende Tesla an die Steckdose muss und wie lange das dauern wird. Reichweiten von bis zu 480 Kilometern verspricht man bei Tesla, eine Ladezeit von im günstigsten Fall einer Dreiviertelstunde und alternativ der Möglichkeit, leere Akkupacks einfach an der Tankstelle gegen volle zu tauschen, was schneller gehen soll als das Füllen eines konventionellen Tanks.

Befeuert werden soll die Tesla-Limo wie schon der Roadster von Lithium-Ionen-Akkus. In welcher Form genau, darüber schweigt man beim Hersteller. Dabei wäre die Antwort auf die Frage interessant. Denn die aus Mobiltelefonen und Laptops bekannte Batterie-Technik standfest genug fürs Auto zu machen, das gilt bei den großen Herstellern noch als Herausforderung: Toyotas und Lexus’ Hybridmodelle etwa fahren deshalb noch mit schweren und raumgreifenden Nickel-Metallhydrid-Batterien herum, die moderne Technik geht gerade erst in die Erprobung. Für den Roadster löste Tesla das Problem seinerzeit pragmatisch: Für die Stromversorgung verbaut man einfach ein Riesenpaket handelsüblicher Laptop-Akkus, eine scharfe Temperaturkontrolle soll die Batterien länger halten lassen als diejenigen im heimischen Notebook.

Und dann wäre das noch eine kleine Unwägbarkeit: Um das Werk für das "Model S" bauen zu können, braucht Tesla Geld von der US-Regierung. Genauer, einen 350-Millionen-Dollar-Kredit aus dem Förderprogramm für fortschrittliche Antriebstechnik. Trotzdem nimmt der Hersteller schon Bestellungen entgegen – unter www.teslamotors.com lässt sich die Limousine bereits anzahlen. In den USA ist ein Preis von 49.900 Dollar angekündigt, eingerechnet ein Steuerrabatt von 7500 Dollar für die fortschrittliche Antriebstechnik.