Der Dollar ist angeschlagen, ein Spiegelbild der Finanzkrise. Seit Monaten schwankt sein Kurs stark. Jetzt sorgt China mit seiner Forderung für Aufsehen, den Greenback durch eine neue Leitwährung zu ersetzen. Sie bestünde aus einem Währungskorb: Einer künstlich geschaffenen Verrechnungseinheit, deren Wert nur noch zu einem bestimmten Teil am Dollar hängt. Maßgeblich wären daneben der Euro, das britische Pfund, der japanische Yen – und vielleicht, so lässt Peking Medienberichten zufolge durchklingen, auch der chinesische Yuan.

Das ist nicht nur Ausdruck der zunehmenden politischen Macht Pekings. Es ist auch eine ökonomische Zäsur. Lange Zeit gehörte ein starker Dollar zum weltwirtschaftlichen Arrangement, das vielen Ländern Wachstum erlaubte. Weil ihre Währung so hoch im Kurs lag, konnten die Amerikaner im Ausland auf Einkaufstour gehen. Zugleich war es vielen asiatischen Ländern möglich, ihre Güter in den USA günstig anzubieten. Ihre Handelsüberschüsse legten sie in Dollar an. Das hielt den Kurs der US-Währung oben, zugleich blieben asiatische Waren billig. Beide Seiten profitierten.

Spätestens seit die Wirtschaftskrise im vergangenen Herbst durch die Lehman-Pleite so richtig losbrach, ist jedoch klar: Die alte Arbeitsteilung funktioniert nicht mehr, die Welt braucht eine neue Balance. So gesehen ist die chinesische Forderung plausibel. "Die Währungsfrage gehört zum Kern der internationalen Finanzarchitektur", sagt Rolf Langhammer, Vizepräsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). "Sie muss vor dem G20-Gipfel aufs Tapet."

Doch es gibt da ein Problem: Keine Währung wäre derzeit in der Lage, den Dollar als Leitwährung zu ersetzen. Nicht der Euro, nicht der Yen, nicht das Pfund. Das gilt auch für die von China vorgeschlagenen Sonderziehungsrechte des IWF, eine buchhalterische Einheit, in der vier Währungen stecken. "Warum sollten die USA oder Europäer sich freiwillig in Sonderziehungsrechten verschulden?" fragt Matthias Busse, Leiter des Kompetenzbereichs Weltwirtschaft am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) hinsichtlich der Währungsschwankungen. "Sie gingen dadurch ein zusätzliches Risiko ein, das sie bislang nicht haben." IfW-Ökonom Langhammer hält ebenfalls wenig von dem Vorschlag: "Über die Sonderziehungsrechte zu debattieren ist, als ob man ein totes Pferd reitet."

Schon eine ganze Weile wird darüber spekuliert, ob vielleicht der Euro irgendwann an die Stelle des Dollars treten könne. Doch der Greenback verfügt als Leitwährung immer noch über eine stabile Basis. Er kommt von einem großen, gut integrierten Heimatmarkt, auf dem er als sehr liquides Zahlungsmittel fungiert. Seine Stärke nach außen gewinnt er durch die politische, wirtschaftliche und militärische Macht seines Heimatlandes – und die USA sind trotz ihrer schweren Krise immer noch das mächtigste Land der Erde.

"Die Frage, ob der Dollar durch eine neue Leitwährung abgelöst werden sollte, stellt sich so nicht. Das wird nicht per Gesetz oder Dekret festgelegt, sondern entwickelt sich in einem jahrelangen Prozess", sagt deshalb Busse. "Entscheidend ist: Sind wir vorbereitet, falls der Dollar richtig abstürzt?"

Davor haben alle Angst: Die Amerikaner fürchten den Verlust ihrer wirtschaftlichen und politischen Stellung und die damit einhergehenden ökonomischen Auswirkungen. Ihre Sorge ist, die Chinesen könnten ihre enormen Devisenreserven in Höhe von mehr als einer Billion Dollar auf den Markt werfen und dadurch den endgültigen Zusammenbruch ihrer Währung provozieren. Doch dadurch würde China sich selbst seines Reichtums berauben. "Daran haben die Chinesen überhaupt kein Interesse", sagt Busse.