Die Uni als Selbstbedienungsladen - dass Bücher bevorzugtes Diebesgut sind liegt nahe, und ist nicht neu. Doch inzwischen wird auch Technik im Gegenwert eines Kleinwagens gestohlen, sowohl aus dem Besitz der Uni als auch von Studenten. Insbesondere Computerpools und Laptop- und Beamer-Ausgaben sind betroffen - wie vor wenigen Wochen an der Uni Hannover oder kürzlich an der HAW Hamburg.

Wie viel genau pro Jahr entwendet wird, ist unklar, sowohl was studentisches Privateigentum betrifft als auch in Bezug auf Universitätseigentum. Statistiken werden kaum geführt. Und die wenigen Zahlen, die es gibt, schwanken stark. An der Uni Köln verschwinden laut Sprecher Patrick Honecker pro Jahr Werte von "unter 100.000 Euro", an der HAW Hamburg seit Einführung der Chipkarte durchschnittlich nur noch rund 5.000 Euro.

Seit einiger Zeit verstärken Universitäten daher ihre Sicherheitsmaßnahmen. "Seit wir vor fünf, sechs Jahren die Rechner mit dicken Schlössern gesichert und Beamer und Drucker in Stahlkäfige gesperrt haben, ist nichts mehr weggekommen. Das sieht nicht schön aus, ist aber effektiv," sagt Nicolaus Petzold, Studienkoordinator an der Hamburger Hafen City Universität. Für Bernd Klöver, Kanzler der HAW Hamburg, steht fest, "wir müssen die Hemmschwelle so hoch wie möglich hängen, damit erst gar niemand auf die Idee kommt, stehlen zu wollen. Schließlich macht Gelegenheit Diebe."

Ein Schaden von 37.000 Euro im Jahr 2002, insbesondere durch während eines Umzugs entwendete Computer, war für Klöver der Grund, die Einführung einer Chipkarte zu forcieren, die nicht nur als Mensa- und Bibliothekskarte, Studentenausweis und Studi-Ticket dient, sondern auch als Zutrittsberechtigung für gesicherte Räume. "Die Testphase mit Karten für Mitarbeiter war sehr erfolgreich.

Bis zur vergangenen Woche ist seit der Einführung 2007 so gut wie nichts weggekommen", resümiert der Kanzler. Mit dem Sommersemester stattet die Hochschule nun alle rund 12.000 Studenten mit dem neuen Fotoausweis aus. Doch das ist nicht alles. Zusätzlich setzt die HAW dazu auf eine stärkere Präsenz von Wachpersonal. "Wer sich nicht als Student oder Mitarbeiter ausweisen kann, insbesondere außerhalb der regulären Öffnungszeiten, kann so einfacher aus dem Gebäude verwiesen werden", sagt Klöver.

Aber was, wenn sich die Studenten trotz der Sicherheitsmaßnahmen nicht sicher fühlen, weil diese umgangen werden können? Was, wenn es um ihr Privateigentum geht, das verschwindet? Was machen, wenn Vertrauen gut ist, aber nicht ausreicht?

Einige Studenten der Hamburger Hafen City Universität haben sich deswegen für ihren gemeinsamen Arbeitsraum einen Verhaltenskodex zugelegt. Zwar heißt es von offizieller Seite "Diebstahl ist kein Problem bei uns". Nach wiederholten Einbrüchen in Arbeitsräume, demolierten Kassenhäuschen oder eingeschlagenen Türen wollten die Studenten jedoch über Transponder-Schlüssel und Hausmeister hinaus auf Nummer sicher gehen.

Eva Graubner, Architekturstudentin im siebten Semester, sagt: "In unsere Arbeitsräume kommt nur ein, wer auch wirklich drin arbeitet. Gäste müssen vorgestellt werden. Wer als letzter den Raum verlässt, egal wann und wenn es auch nur für eine Minute ist, der schließt ab. Und nachts werden die Rollläden runtergelassen. Immer." Die Belohnung: Eva und ihren Kommilitonen ist bislang noch nichts geklaut worden. Für die angehenden Architekten liegt das insbesondere an der "Gemeinschaft, die wir in diesem Raum haben. Sie ist die beste Versicherung dafür, dass nichts wegkommt".

Katrin Wernke von der Universität Hannover bestätigt die Wirksamkeit sozialer Kontrollen. "Seit unsere Bibliotheken länger geöffnet haben und mehr Sitzgruppen in öffentlichen Bereichen stehen, kommt deutlich weniger weg." Dass die Hochschulen zu Hochsicherheitstrakten werden, ist wohl trotz Videoüberwachung, Alarmanlagen und Chipkarten eher nicht zu befürchten.