Wenn der französische Vorzeige-Intellektuelle literarische Texte schrieb, blieb er clean. Sartre glaubte, dass zum poetischen Schreiben Nüchternheit absolut notwendig ist. Verfasste der Autor von "Das Sein und das Nichts" und "Geschlossene Gesellschaft" aber ein philosophisches Werk, ließ er sich nicht nur von der Muse küssen, sondern von dem Aufputschmittel Corydran beflügeln. Mit Meskalin hatte der Mann, der den Nobelpreis für Literatur ablehnte und trotzdem bekam, schlechte Erfahrungen gemacht, Amphetamine gefielen ihm besser: Der Existentialist, der mit seiner Langzeit-Lebensgefährtin Simone de Beauvoir eine offene Beziehung führte, machte keinen Hehl aus seinem langjährigen Drogenkonsum und schluckte beim Philosophieren gerne ein ganzes Röhrchen der Wachmacher.

Georg Trakl (1887-1914)

Von seiner Mutter bekam Trakl keine Liebe, seine Schwester liebte er dafür umso inniger. So innig, dass nicht klar ist, wie nahe sich die beiden kamen: In seinen Gedichten wie "De profundis" taucht die geliebte Schwester immer wieder verschlüsselt auf. Mit der Karriere als Lyriker ging es 1912 richtig los, da war Trakl schon seit Jahren drogenabhängig: Bereits mit 17 Jahren bestrich er seine Zigaretten mit Opiumtinktur und narkotisierte sich mit Chloroform. Er litt an Ängsten, und trank. Als Apotheker hatt er Zugang zu Veronal und Kokain. Als Militärapotheker in der Schlacht bei Grodek eingesetzt, erlitt er einen Nervenzusammenbruch und starb im Alter von 27 Jahren im Garnisonsspital Krakau an einer Überdosis Kokain – ob mit Absicht oder aus Versehen, ist ungewiss.

Edgar Allan Poe (1809-1849)

In seinen schaurig-schönen Erzählungen und Gedichten geht es um einsam gelegene Landhäuser, Schlösser im Nebeldunst, Geisteskranke, Scheintote und sprechende Raben – und um Opium, die damalige Modedroge. Privat nahm Poe ab und zu Laudanum, in Wein gelöstes Opium. Mit Alkohol ging der Quartalssäufer wesentlich großzügiger um, trank sich immer wieder bewusstlos und lag nachts in der Gosse herum. Mit 27 heiratete er seine erst dreizehnjährige Cousine, die später an Tuberkulose starb. So geheimnisvoll seine Dichtung ist, so rätselhaft war sein Tod: Als er 40 Jahre alt war, fand man ihn apathisch und in völlig heruntergekommenem und hilflosem Zustand in einer Kneipe in Baltimore. Er kam ins Krankenhaus, fiel ins Delirium, redete wirres Zeug und starb. Seine letzten Worte waren: "Lord, help my poor soul".

Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg, Pseudonym Novalis (1772-1801)

"Köstlicher Balsam  / Träuft aus deiner Hand / Aus dem Bündel Mohn / In süßer Trunkenheit / Entfaltest du die schweren Flügel des Gemüths. / Und schenkst uns Freuden / Dunkel und unaussprechlich" schrieb Novalis in seinen 1800 veröffentlichten "Hymnen an die Nacht." Seine blutjunge Verlobte Sophie war drei Jahre zuvor an Tuberkulose verstorben. Der Dichter und Salinen-Assessor betäubte den Schmerz mit großen Mengen Laudanum und verlobte sich wieder. doch die neue Verlobte konnte Sophie nicht ersetzen. In seinem Romanfragment "Heinrich von Ofterdingen" ließ Novalis den Protagonisten nach der blauen Blume suchen, einem Sehnsuchtssymbol, das später selbst für die Epoche der Romantik stehen wird. Ein Jahr nach Erscheinen der "Hymnen an die Nacht" starb Novalis an derselben Krankheit, die seine Geliebte dahingerafft hatte.