Im Februar sprach VW-Chef Martin Winterkorn öffentlich aus, was sonst höchstens vertraulich vortragen wird: "Der Staat sollte sich da raushalten", hat Winterkorn mit Blick auf die Rüsselsheimer Konkurrenz gefordert. Das ist zwar eher komisch, weil VW nun wirklich alles andere als staatsfern ist. Aber zum Lachen konnten Merkels Leute es nicht finden. Zumal hinter dem flotten Spruch ja ein echtes Sachproblem steckt. Wenn der Staat Opel rettet, und sei es mit Bürgschaften, müssen dafür in einem Markt mit geschätzten 30 Prozent Überkapazität die anderen indirekt bluten.

Aber Opel nicht retten? Im Jahr der Bundestagswahl? Zehntausende Mitarbeiter in die Ungewissheit schicken, Zulieferer gleich mit? Der Konzern baut in Hessen, Niedersachsen, Thüringen und an der Saar – allesamt CDU-regiert, drei davon ihrerseits vor wichtigen Wahlen. Jürgen Rüttgers hat schon deutlich wissen lassen, dass er es als Kriegserklärung werten würde, wenn in Bochum die Bänder angehalten würden.

Auch Roland Koch hat einen eigenen Rettungsplan vorgelegt. Der Hesse ist als Landesvater in Rüsselsheim dabei. Er redet kurz, was ihm einerseits dankbaren Applaus für den Satz einbringt: "Wir wollen Opel nicht verlieren", andererseits ein irritiertes Tuscheln und Zischeln. Koch macht nämlich auch klar, wo er die Grenze der Hilfsbereitschaft sieht: "Wir kämpfen gemeinsam um unser Unternehmen – aber nicht, indem wir unsere Träume verstaatlichen." Bürgschaften für einen Privatinvestor okay, aber mehr nicht. Das Problem ist nur, dass ein solcher Privatinvestor nicht so recht in Sicht ist – oder allenfalls in Gestalt von Leuten, die der SPD-Chef Franz Müntefering vermutlich "Heuschrecken" nennen würde.

Womit wir endgültig beim Wahlkampf wären und bei einem kurzen Seitenblick auf Frank-Walter Steinmeier. Der SPD-Kanzlerkandidat ist als Redner vor Autobauern inzwischen Stammgast , in Rüsselsheim war er natürlich längst. Steinmeier würde nur zu gerne den Genscher geben. Am Montag hat er im SPD-Vorstand ein Papier vorgelegt, das dafür bestimmt war, als "Rettungsplan für Opel" die Titelseiten der Zeitungen zu stürmen, auch jener, die in Rüsselsheim gelesen werden. Hartmut Mehdorns Abgang hat dem Manöver leicht an Schwung genommen.

In dem Papier steht: "Opel kann sich nicht selber retten", und dass die Zeit dränge und "jeder Tag zählt". Das ist nicht neu, aber immerhin markig. Außerdem erklärt Steinmeier die Suche nach einem Privatinvestor geradeheraus für zwecklos und fordert, vorerst den Staat zum wichtigen Anteilseigner einer neuen, europäischen Opel-Firma zu machen. VEB Adam Opel sozusagen, im Gegensatz zum Unionsmodell Adam Opel AG.

Es hätte des Steinmeier’schen Papiers aber nicht bedurft, um Merkel mit dieser Idee zu konfrontieren. Das übernimmt in Rüsselsheim der Chef des Gesamtbetriebsrats, Klaus Franz. "Ehrlich gesagt wäre uns eine direkte staatliche Einlage lieber", sagt er. Der Herr Koch habe ja sicherlich auch vom Kollegen Christian Wulff aus Niedersachsen schon öfter gehört, wie gut das dort funktioniere. Koch lächelt säuerlich.

Nun könnte man sagen, die CDU soll sich nicht so anstellen mit ihren Prinzipien und aus Opel in Gottes Namen dann eben eine Art zweiten Volkswagen machen. Das wirkliche Problem ist aber, dass nach wie vor niemand weiß, ob und wie Opel überhaupt zu helfen ist. Als Betriebsratschef Franz vor zwei Wochen im Wirtschaftsausschuss des Bundestages die Lage schildern sollte, griff er zur Pantomime. Er legte die Arme an den Gelenken übereinander: Uns sind die Hände gebunden. Entschieden werde alles nach wie vor im 36. Stock der glasglitzernden Konzernzentrale in Detroit.