Die Ansichten der Skinheads über Politik gehen weit auseinander. Das sagt Klaus Farin, Fachautor, Dozent und Leiter des Berliner Archiv der Jugendkulturen. In der Skinheadszene finden sich organisierte Antifaschisten, Anarchisten, Autonome und eben Rechtsextremisten.

In der Öffentlichkeit wird dies allerdings anders wahrgenommen "Skins dienen als Bebilderung für den Rechtsextremismus. Das ist ein durch die Medien geprägtes Bild", sagt Farin.

Ursprünglich bezeichnete "Skinhead" lediglich einen Jugendlichen mit kurzen Haaren oder Glatze. Thomas, ein Skinhead aus Hannover, sagt: "Der Begriff ist besonders in Deutschland und in den USA negativ besetzt. Viele sprechen in einem Atemzug von rechter Gewalt und Rassismus". Doch der Bezug zur rechten Szene entstand unter deutschen Skinheads erst in den achtziger Jahren, lange nach der Entstehung dieser Jugendkultur im Großbritannien der sechziger Jahre.

"Neonazis suchten Schläger und keine Theologiestudenten, dafür eigneten sich die Skinheads hervorragend – besonders wegen ihres marzialischen Aussehens. Heute gibt es einen stabilen Kreis rechtsextremer Skinheads vermehrt in Landregionen. Beispielsweise in Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und in den neuen Bundesländern," sagt Farin.

Nach Informationen des Archivs der Jugendkulturen machen diese Nazi-Skins von den 15.000 Skinheads in Deutschland etwa ein Drittel aus. Das sind die, die mit hochgestrecktem rechten Arm durch die Straßen laufen und rassistische Parolen grölen. Die Fotos davon illustrieren dann die Medienberichte über Rechtsextremismus in Deutschland, auch auf ZEIT ONLINE.

"In der gesamten rechten Szene sind und waren Skinheads immer eine Minderheit. Ihr militärisches, hartes Auftreten wurde häufig in den Medien gezeigt und dadurch entstand das Bild, dass alle Skinheads Neo-Nazis sind", sagt Farin.

Entstanden war die Skinhead-Bewegung in den Arbeitervierteln Großbritanniens. "Skins kamen aus der Arbeiterjugend der sechziger Jahre. Sie waren ein Ausdruck proletarischer Männlichkeit. Ihre Rebellion entspricht in etwa den Halbstarken der fünfziger Jahre." Damals feierten die britischen Jugendlichen Partys mit karibischen Einwandererkindern aus Jamaika. Sie tanzten zu Ska- und Reggae-Musik, also typisch schwarzer Musik. Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass spielten nur in geringem Maße eine Rolle.

"Auch zu Beginn waren sicher einige Skins rassistisch. Aber der Großteil waren Jugendliche, die sich einfach gern prügelten. Es ging nicht um schwere Körperverletzungen, sondern die proletarischen Jugendlichen versuchten so ihre Interessen durchzusetzen", sagt Farin. Schwarze und Asiaten unter den Skinheads blieben jedoch nicht von Übergriffen verschont. Insbesondere Einwanderer asiatischer Abstammung hatten zu leiden. "Paki-Bashing" nannte sich das und galt bei den Kurzgeschorenen fast als Volkssport. Dennoch waren die Skins damals noch nicht von der rechten Ideologie besessen. "Bei den Skinheads gehörte das Prügeln untereinander zum derben Männerkult. Das Paki-Bashing ist nur ein Aspekt davon. In dem Sinne waren Skins auch Hooligans, denn sie gingen gern zum Fußball und schlugen sich dort."