Seit der 17-jährige Tim K. vor wenigen Wochen 15 Menschen erschoss, wird in Deutschland erneut über das Waffenrecht diskutiert. Ist es streng genug? Und vor allem: Wie gut wird es umgesetzt? Am Dienstag trafen sich in Berlin die Innenstaatssekretäre von Bund und Ländern, um in dieser Frage die jeweiligen Positionen auszuloten. Und zumindest in einer Hinsicht war sich die Runde einig: Beim Waffenrecht besteht Handlungsbedarf. Dass überhaupt etwas geschehen müsse, daran habe es keine Zweifel gegeben, bestätigte der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, August Hanning, ZEIT ONLINE anschließend.

Dies ist durchaus bemerkenswert. Schließlich hatte nach dem Amoklauf zunächst die Einschätzung vorgeherrscht, das deutsche Waffenrecht sei bereits eines der schärfsten der Welt. Weitere gesetzliche Regelungen seien deshalb nicht notwendig. Auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hatten diese Position vertreten.

Doch nun scheint sich ein wenn auch vorsichtiges Umdenken abzuzeichnen. Dass alles so bleiben könne, wie es sei, diese Auffassung wurde zumindest in der Runde der Staatssekretäre, nicht vertreten. Derartige Beschwichtigungsaufrufe habe es diesmal keine gegeben, sagte ein  Sprecher des Bremer Innensenators Ulrich Mäurer (SPD), der derzeit Vorsitzender der Innenministerkonferenz ist, ZEIT ONLINE.

Einigkeit bestand in der Runde laut Hanning schon jetzt vor allem darüber, dass der Aufbau eines zentralen Waffenregisters schnell vorangetrieben werden müsse. Zu dessen Einrichtung ist Deutschland laut EU-Beschluss zwar ohnehin bis spätestens 2014 verpflichtet, doch die Vorarbeiten dazu haben bisher kaum Fortschritte gemacht.

Eine solche zentrale Datei hätte zum einen den Vorteil, dass man endlich wenigstens genau wüsste, wie viele legale Waffen es in Deutschland eigentlich gibt. Derzeit sind laut Spiegel-Recherchen rund 560 lokale Behörden mit der Registrierung beschäftigt. Statt exakter Zahlen gibt es deswegen nur Schätzungen. Diese gehen von acht und zehn Millionen legaler Waffen in deutschen Haushalten aus. Ein zentrales Register würde außerdem ermöglichen, dass Waffen nach Straftaten schneller bestimmten Personen zugeordnet werden können.

Desweiteren sei man sich weitgehend einig, dass beim Vollzug des Waffenrechts angesetzt werden müsse, so Hanning. Die Kontrolle müsse effizienter werden. Wie genau dies geschehen soll, ist allerdings umstritten. Im Gespräch sind einerseits technische Blockiersysteme. Mit ihrer Hilfe sollen Waffen für Unbefugte unbrauchbar gemacht werden. Nachgedacht werde aber auch darüber, die Kontrollbesuche bei den Waffenbesitzern, die derzeit kaum stattfinden, auszuweiten. Am Ende könne auch eine Kombination von beidem herauskommen, so der Sprecher der Bremer Innenbehörde.