Das Gesetz, das die demokratischen Abgeordneten Henry Waxman und Edward Markey vergangene Woche vorlegten, hat es in sich. Auf 648 Seiten haben die beiden Delegierten ein ambitioniertes Klimaschutz-Paket zusammengeschnürt: Bis zum Jahr 2020 sollen die USA die Treibhausgas-Emissionen - verglichen mit dem Jahr 2005 - um 20 Prozent  senken. Der Ökostrom-Anteil soll 2025 bei einem Viertel liegen. Millionen neuer "grüner Jobs" sollen entstehen.

Ginge es nach den Verfassern des  "American Clean Energy and Security"-Gesetz, würden die USA erstmals eine Obergrenze für Kohlendioxidausstoß einführen. Auch sollen Unternehmen verpflichtet werden, für jede emittierte Tonne CO2 ein Verschmutzungsrecht zu kaufen. Investitionen in ein neues Stromnetz gehören ebenso zu den Plänen wie höhere Effizienzstandards, neue Ökonormen für Benzin, Förderprogramme für Elektroautos und ein Investitionsanschub für kohlendioxidarme Kohlekraftwerke (CCS). Was Deutschland mit mindestens einer Handvoll verschiedener Gesetzen regelt, vom Erneuerbare-Energien-Gesetz bis zum Emissionshandelsgesetz, wollen die zwei Energiespezialisten in nur einem Papier bündeln.

Ebenso ehrgeizig ist der Zeitplan: Nach Ostern sollen in den Ausschüssen des Repräsentantenhaus die Verhandlungen losgehen. Bis zum Memorial Day Ende Mai sollen sie beendet sein. Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses, ist optimistisch. Auch wenn die Republikaner bereits ihren Widerstand ankündigt haben, will sie das Gesetz noch in diesem Jahr verabschieden.

Experten wie Christoph Bals von der Umweltorganisation Germanwatch, ausgewiesener Fachmann für internationale Klimafragen, ist begeistert. "Der Entwurf ist der ambitionierteste, den wir in den vergangenen 15 Jahren in den USA gesehen haben." Er gehe sogar noch weiter als die Vorschläge von Präsident Obama. Der hatte gefordert, die Emissionen im Jahr 2020 auf das Niveau der neunziger Jahre zurückzuführen. Das würde bedeuten, dass diese um etwa 16 Prozent reduziert würden.

Doch Bals ist nicht uneingeschränkt zufrieden. "Die Ziele bleiben deutlich hinter dem zurück, was die Wissenschaft fordert, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen." Will man den Klimawandel in den Griff bekommen, so darf nach Schätzungen des Weltklimarats IPCC die globale Erwärmung maximal zwei Grad betragen.

Einer der heiß umstrittenen Punkte ist der geplante Handel mit Emissionszertifikaten. In der EU gibt es ein solches System bereits seit einigen Jahren. Es hätte immense internationale Bedeutung, wenn auch die USA jede Tonne CO2 bepreisen. "Je mehr Emissionen weltweit von einem Emissionshandelssystem erfasst werden, desto besser für den Klimaschutz", sagt Wolfgang Seidel von der Deutschen Emissionshandelsstelle beim Umweltbundesamt. "Es ist wichtig, ein globales Instrument mit einheitlich hohen Standards zu haben."