Seit 2006 gilt in Deutschland das Antidiskriminierungsgesetz. Gegen seine Einführung hatte es damals massiven Widerstand der Wirtschaft, der FDP und Teilen der Unionsfraktion gegeben. Am Donnerstag wurde nun in Berlin erstmals eine repräsentative Studie dazu vorgelegt, wie die Bevölkerung Diskriminierung wahrnimmt und die neuen gesetzlichen Möglichkeit bewertet.

Dabei zeigt sich: Die Einstellung der Deutschen zur Frage der Diskriminierung ist von einem Grundwiderspruch geprägt. Auf der einen Seite halten 68 Prozent der Bevölkerung Gleichbehandlung der gesellschaftlichen Gruppen grundsätzlich für wichtig und sogar für einen Wettbewerbsvorteil im globalisierten Umfeld. Auf der anderen Seite stoßen konkrete Antidiskriminierungsmaßnahmen bei etwa 50 Prozent auf zum Teil massive Ablehnung.

"Die heutige Antidiskriminierungspolitik und insbesondere das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz haben ein Akzeptanzproblem", heißt es in einer Zusammenfassung der Studie, die von der Sinus Sociovision GmbH im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes erstellt wurde.

Antidiskriminierungspolitk werde allgemein als überzogen empfunden, auch wenn nur eine Minderheit – nämlich 34 Prozent – das Gesetz überhaupt kenne.  Dabei würden die dahinter stehenden Absichten und Werte wie "gleiche Chancen für alle" oder "Gerechtigkeit für jedermann" gleichwohl von den meisten Befragten grundsätzlich geteilt.

Der Schutz bestimmter Gruppen wird quer durch alle soziokulturellen Milieus umso stärker akzeptiert, je weniger die Diskriminierung als selbst verschuldet wahrgenommen wird und je mehr die betroffene Gruppe sozial akzeptiert ist. So stößt zum Beispiel die Schutzbedürftigkeit von Älteren und Behinderten weitgehend auf Anerkennung. Auch die Benachteiligung von Frauen wird grundsätzlich kritisch gesehen. "Die Studie ergibt, dass Männer wie Frauen endlich gleiche Rechte für Frauen wollen", schlussfolgerte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes Martina Köppen.

Auf wesentlich weniger Unterstützung können dagegen Menschen zählen, die wegen ihrer ethnischen Herkunft, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Religion benachteiligt werden. Von einer deutlichen Mehrheit der Befragten werde beispielsweise keine Notwendigkeit gesehen, aktiven Vertretern einer Religion einen besonderen Schutz angedeihen zu lassen, heißt es in der Studie.