Der Personalvorschlag der Bundesregierung für den Daimler-Manager Rüdiger Grube als neuen Bahn-Chef ist von den Gewerkschaften zunächst zurückhaltend aufgenommen worden. Entscheidende Forderungen – etwa "ein klares Bekenntnis zur integrierten Bahn und damit zum Erhalt des konzernweiten Arbeitsmarktes, der Arbeitsplätze sichert" – seien noch nicht erfüllt. Die Vorsitzenden der Gewerkschaften Transnet und GDBA, Alexander Kirchner und Klaus-Dieter Hommel, ließen wissen, man nehme die Personalie Grube "zur Kenntnis".

Seit Donnerstag ist klar: Der bisherige Daimler-Manager soll nach dem Willen der Bundesregierung neuer Bahn-Chef werden und auch die Gesellschaft DB Mobility Logistics leiten. Nach Informationen der Financial Times Deutschland stammte der Personalvorschlag von Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD). Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte auch die Bahngewerkschaften über die Entscheidung informiert.

Grube ersetzt den langjährigen Bahnchef Hartmut Mehdorn, der wegen der Vorwürfe wegen Datenspitzelei gegen Mitarbeiter in dem bundeseigenen Konzern am Montag seinen Rücktritt angekündigt hatte. Der 57 Jahre alte Grube ist seit 2001 Vorstandsmitglied beim Autokonzern Daimler und Verwaltungsratschef beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS.

Grubes Vorgänger hatte den Umbau des Staatsbetriebes Bahn zu einem international agierenden Logistikunternehmen bereits weit vorangetrieben. Sein Lebenswerk mit dem geplanten Börsengang zu vollenden, gelang ihm nicht. Der Bund sagte den Börsengang 2008 wegen der Finanzkrise kurzerhand ab, was insbesondere im linken Flügel der SPD auf positive Resonanz stieß.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) versuchte nun die Vorbehalte gegen den designierten Bahnchef zu zerstreuen. Grube sei ein exzellenter Manager, sagte Steinbrück im Hessischen Rundfunk. "Er steht nicht im Verdacht, die Bahn zu repolitisieren."  

Die Spitzengremien der Bahngewerkschaften wollen am Montag über den Personalvorschlag und die künftige Ausrichtung der Bahn beraten. "Vorher wird es keine Zustimmung unserer Gewerkschaften, auch nicht der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, zu einer Personalie geben", hieß es.