Überraschende Entscheidung in Frankfurt: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Leitzins um 0, 25 Prozentpunkte auf jetzt 1,25 Prozent gesenkt. Damit erhalten die Unternehmen und Banken im Euroland notwendige Kredite so günstig wie noch nie und können dadurch erforderliche Investitionen und das Wirtschaftswachstum insgesamt anschieben.

Die Finanzmärkte hatten allerdings mit einer weitaus größeren Senkung um bis zu 0,5 Prozentpunkten und damit mit einem neuen Leitzins von 1,0 Prozent gerechnet. Noch Anfang der Woche hatte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet zu diesen Sepkulationen Anlass gegeben, als er auf eine weitere Verschlechterung der konjunkturellen Lage hingewiesen hatte.

Dazu ist es nicht gekommen. Nun rätselt die Banken- und Expertenwelt über den künftigen Kurs der Währungshüter. Viele rechnen damit, dass die EZB und ihr Präsident Jean-Claude Trichet die Zinsen nun nicht weiter senken werden. Sie glauben, dass die Zentralbank in Zukunft auf andere Maßnahmen im Kampf gegen Rezession und Finanzkrise zurückgreifen wird.

Eine Möglichkeit ist der Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen, um dadurch das Zinsniveau zu drücken. Die US-Notenbank Fed und die Bank of England nutzen dieses Instrument bereits. Mit Spannung wird erwartet, wie sich Trichet bei der EZB-Pressekonferenz am Nachmittag dazu äußern wird.

Andere Marktbeobachter hingegen glauben, dass sich die Zenrtralbanker mit solchen unkonventionellen Maßnahmen eher schwer tun. "Dieser überraschend niedrige Zinsschritt unterstreicht, dass die EZB nicht so aggressiv wie andere Notenbanken reagiert", kommentierte ein Analyst. "Sie hält sich damit die Tür für einen weiteren Zinsschritt offen."