Skyline von London: Großbritanniens Hauptstadt steht am 2. April im Zentrum der weltweiten Aufmersamkeit

Siebzehn Staatenlenker wollen die Welt vor einer langen und tiefen Depression retten. Dazu treffen sie sich ausgerechnet im Weltfinanzzentrum London, Hort des globalen Geldes und Tatort der Exzesse, die die tiefe Rezession auslösten. So wird die britische Hauptstadt zur Bühne für reichlich Lärm und Spektakel – sowohl in den Hallen der internationalen Diplomatie wie auf der Straße, wo Tausende demonstrierten.

Der erste Schauplatz war am Mittwoch die City of London. Mehr als an jedem anderen Ort der Welt wurden hier in den vergangenen fünfzehn Jahren kreative Produkte für das internationale Finanzsystem erfunden, mit denen immer mehr Geld geschaffen wurde. In den gläsernen Hochhäusern und hinter den trutzigen Sandsteinfassaden herrschten Fortschrittsglaube und Pragmatismus – und die Gier. Seit Jahrhunderten verließ sich die City darauf, dass die Politik sich nicht einmischt und dass das Regelwerk großzügig bleibt. Doch nun haben sie es gegen die Wand gefahren. Am Mittwochvormittag kamen rund viertausend Demonstranten in die City, um die Banker dafür an den Pranger der Weltöffentlichkeit zu stellen.

Die Protestmärsche hatten schon im Vorfeld für reichlich Wirbel gesorgt. Die Polizei sei mit Elektroschockpistolen ausgerüstet, hieß es in der Presse. Krawallheinis und Steinewerfer (von einem friedlichem Protest ging kaum jemand aus), würden per Knopfdruck sofort außer Gefecht gesetzt. Wie sich herausstellte, blieben die 500-Volt-Elektroschocker dann jedoch in den Arsenalen der Metropolitan Police.

Die Demonstranten waren verärgert, keine Frage. Aber sie kamen nicht nur zum Banker-Bashing. Sie hatten ihre eigene Botschaft für die Mächtigen, die sie auf Plakaten und Spruchbändern vor sich hertrugen.

Da waren die Klimaretter, die ein Zeltlager vor der European Climate Exchange aufbauten. "Durch die Rettung der Banken gerät die Umwelt in Vergessenheit und das dürfen wir nicht zulassen", sagte Lilian Morgan, eine junge Frau mit grünen Haaren. Andere erinnerten mit Pauken und Pfeifen an das Schicksal der Menschen in der Dritten Welt. Marxisten trommelten gegen den Kapitalismus und Anarchisten wetterten gegen alles.

Lange herrschte ein fast volksfestartige Stimmung auf der Kreuzung vor der Bank of England. Dann aber kam es doch zu Gewalttätigkeiten. Steine flogen durch die Fensterscheiben einer Niederlassung der Royal Bank of Scotland, die durch die Hybris und die Gier ihres ehemaligen Vorsitzenden Fred Goddwin (der auch nach der Rettung durch den Steuerzahler auf seine Rentenansprüche von 750.000 Pfund im Jahr besteht) zum Inbegriff des ganzen faulen Finanzsystems wurde. Die Polizei prügelte mit Schlagstöcken auf die kleine Zahl von Randalierern ein.

Doch der Funke der Gewalt sprang nicht auf die Menge über. Die befürchtete Straßenschlacht blieb aus. Auch ein Friedensmarsch in der Innenstadt, der mehrere hundert Demonstranten von der amerikanischen Botschaft zum Trafalgar Square führte, blieb friedlich.