ZEIT ONLINE: Herr Mayer, die G 20 feiern ihr Abschluss-Kommuniqué als Durchbruch, gar als historisches Ereignis. War der Kompromiss tatsächlich ein so großer Wurf?

Thomas Mayer: Zumindest schadet das Beschlossene nicht. Vielleicht trägt es in Teilen zur Heilung bei. Dem Internationalen Währungsfonds mehr Geld zu geben halte ich für völlig richtig. Es ist gut, dass man der Feuerwehr den Tank füllt, wenn man mit Bränden rechnet. Das Entscheidende aber ist, dass es keine Schnellschüsse bei der Regulierung gab. Es handelt sich meiner Ansicht nach eher um Absichtserklärungen.

ZEIT ONLINE: Was ist falsch daran, die Finanzmärkte schnell zu regulieren?

Mayer: Es ist nichts Falsches daran, Steueroasen auszutrocknen und Hedge-Fonds an die Leine zu nehmen. Es dient nur nicht der Krisenbekämpfung, wie manche meinen.

ZEIT ONLINE: Warum nicht?

Mayer: Das Problem ist doch weiterhin das gleiche: Die Banken scheuen das Risiko, weshalb sie sich gegenseitig kein Geld leihen. Der Kreditfluss versiegt. Wieso sollte er wieder in Gang kommen, wenn die Regierungen Hedge-Fonds, die kaum etwas mit der Krise zu tun haben, strenger überwachen?

ZEIT ONLINE: Vielleicht schafft das Vertrauen.

Mayer: In einer Situation, in der alle Markteilnehmer das Risiko scheuen, dem Finanzmarkt Fesseln anzulegen, halte ich für eine absurde Idee. Es geht doch jetzt darum, dass wir die Kreditmaschine wieder in Gang bringen. Das erreiche ich nicht dadurch, dass ich Hedge-Fonds beaufsichtige.

ZEIT ONLINE: Wie sonst?

Mayer: Die Programme zur Stabilisierung der Banken sind der Schlüssel. Sie müssen erfolgreich sein. Alles hängt jetzt davon ab, ob der Plan des US-Finanzministers Geithner funktioniert. Auf die Europäer setzte ich dabei nicht mehr. Es dauert einfach zu lange, bis man sich in Euro-Land geeinigt hat. Am Ende hat jeder eine andere Position.