Die Justiz habe den Bankier am Mittwochabend nach einer Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft in Wien festgesetzt, teilte das Institut mit und bestätigte damit Medienberichte. Auf den laufenden Geschäftsbetrieb habe die Festnahme keine Auswirkungen. Die Lage der Bank sei stabil, die Einlagen seien sicher.

Dem Eigentümer, früheren Vorsitzenden und jetzigen Aufsichtsrat der Meinl-Bank werden demnach Anlegerbetrug, Provisionsschinderei und Untreue im Zusammenhang mit der Affäre um die Meinl European Land (MEL) vorgeworfen. Die MEL firmiert heute unter dem Namen Atrium European Real Estate und wird inzwischen von der Citigroup und der israelischen Gazit Globe kontrolliert.

Das auf Osteuropa spezialisierte Immobilienunternehmen kam wegen eines umstrittenen Aktienrückkaufprogramms in Schwierigkeiten. Mitte Februar hatte die Staatsanwaltschaft Wien 13 Hausdurchsuchungen durchgeführt. Dabei seien hauptsächlich Datenträger sichergestellt worden, hieß es. 

Laut der Zeitschrift Format hatte man bei den Razzien auch Geheimdossiers über Meinl-kritische Personen sichergestellt. Die Unterlagen würden auch Einblick geben in das Luxusleben des Bankers, der mitunter Freunde wie Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser und Ex-Bawag-Spekulant Wolfgang Flöttl zu einem Yachtausflug mitnahm.

Wie das Wirtschaftsblatt berichtet, dauert die Affäre um die Immobilienfirma MEL schon lange. Die Arbeiterkammer gehe mit Musterklagen gegen Meinl-Firmen und Anlageberater vor, die die Papiere der Gesellschaft quasi auf Biegen und Brechen unters Volk brachten. Mitunter seien Kunden überredet worden, aus sicheren Anlageformen auszusteigen und ihr Geld mündelsicher in MEL anzulegen.