Dagegen kann ernsthaft niemand etwas haben. Der Traum einer atomwaffenfreien Welt, wie ihn US-Präsident Barack Obama gerade formuliert hat, ist bestechend – auch noch 24 Jahre nachdem schon einmal ein Präsident davon zu träumen gewagt hatte. Er hieß Ronald Reagan. Die Vision ist unverändert: Wenn nur alle energisch genug abrüsten, wird es schon klappen mit dem weltweiten Frieden. Denn weniger Waffen bedeuten mehr Sicherheit.

Den Skeptikern ruft Obama vor der historisch klug gewählten Kulisse der Prager Burg entgegen, ihr Fatalismus sei ein tödlicher Feind, der die Wende zum Guten verhindere, scheinbar Unmögliches könne wahr werden, das zeige doch gerade die Freiheit der Tschechen.

Obama hat in Prag versprochen, die Zahl der Nuklearwaffen zu reduzieren und einen Stopp der Atomtests anzustreben. Der amerikanische Präsident hat es allerdings vermieden, konkrete Zahlen zu nennen. Wie viele der weltweit rund 20.000 Atomwaffen sollen übrig bleiben, und welche davon in amerikanischem Besitz? Nur so viel sagt er: Solange es noch eine nukleare Bedrohung auf der Erde gibt, werden die USA ihre Atomwaffen nicht aufgeben.

Dahinter verbirgt sich das Dilemma internationaler Sicherheitspolitik. Der gute Wille der heutigen beziehungsweise einstigen Supermächte Amerika und Russland würde jetzt bei Weitem nicht mehr ausreichen, die Gefahr einer nuklearen Katastrophe zu bannen. Immer mehr Staaten wollen die Bombe besitzen, sie ist ein Gradmesser für supranationale Bedeutung.

Wer sie hat, kann Bedingungen stellen, kann glaubhaft drohen. Und wer möchte ernsthaft "ungerüstet" sein für den Fall, dass Terroristen in den Besitz von Kernwaffen gelangen? Selbst wenn die USA und Russland, die über rund 90 Prozent aller nuklearen Systeme verfügen, ihre Arsenale abwrackten – übrig bliebe immer noch genug Potenzial, die Welt in ein atomares Chaos zu stürzen.