In Europa haben es nur wenige gehört, doch in der Türkei weiß jeder, dass Barack Obama mit zweitem Vornamen Husein heißt. Hier jedoch ebnet der Name Husein dem US-Präsidenten den direkten Weg ins Herz vieler Menschen. Wo immer sich Obama zeigte, jubelte Istanbul ihm gestern zu, und Umfragen ergaben, dass Barack Husein Obama in der Türkei nun zum prominentesten Politiker geworden ist.

In der alten Kalifenstadt Istanbul, wo früher viele Religionen eng beieinander lebten, gab Barack Husein Obama einen Religionsgipfel eigener Art. Mühelos erwarb er sich die Achtung der Muslime und wertete gleichzeitig die christliche und jüdische Minderheit im Lande auf.

Bei seinem Besuch der Hagia Sophia lauschte er der Erklärung des Istanbuler Muftis Mustafa Cagrici und freute sich über den Namenszug "Husein", der in Erinnerung an einen der großen Kalifen in riesigen Lettern aus Blattgold eine Ecke der Kuppel ziert. Neben ihm hat Premier Recep Tayip Erdoğan die Hände zum Gebet geöffnet, Obama wartet fromm.

Gleich danach geht es in die Moschee Sultan-Ahmet, und wieder zeigt Obama, wie leicht ein aufmerksamer Christ bei den Muslimen punkten kann. " 'Ich bin ganz tief beeindruckt. Das ist einer der großen Augenblicke meines Lebens', hat er mir zugeflüstert", sagt hinterher Mufti Mustafa Cagrici. Die Fernsehkameras strahlen ins ganze Land, wie der mächtigste Mann der Welt demutsvoll seine Schuhe auszieht und dass seine Dolmetscherin beim Eintritt zur Moschee züchtig das Kopftuch angelegt hat.

Am Vortag in Ankara vermied Barack Obama alles, was die Türkei misslaunig hätte stimmen können. Er sicherte der türkischen Regierung weitere Unterstützung gegen die Kämpfer der prokurdischen PKK zu. Schon im vergangenen Jahr hatte amerikanische Satellitenaufklärung dafür gesorgt, dass die Türkei PKK-Stellungen im Nordirak zielsicher unter Feuer hatte nehmen können. Vermutungen, die harsche türkische Israel-Kritik der letzten Wochen würden zu einer Abkühlung zwischen beiden Staaten führen, erwiesen sich als unbegründet.