Die deutsche Abwrackprämie wird zum Erfolgsmodell, trotz aller Kritik: Jetzt wollen auch die Briten sie übernehmen. Ob auch das Wort in den englischen Sprachgebrauch aufgenommen wird wie "Angst" oder "Kindergarten"?

Wie gut sie wirkt, hat die Prämie hierzulande bewiesen – die Schrottplätze sind voll von alten Autos . Angeblich lassen die Deutschen selbst solche Wagen abwracken, deren Wert über dem Zuschuss vom Staat liegt. Das ist verwunderlich. Am erstaunlichsten ist es aber, dass die Politiker selbst so überrascht scheinen von dem Erfolg ihrer Idee.

Kaum jemand hat an die durchschlagende Wirkung der Prämie geglaubt. Dabei basiert der Abwrack-Erfolg auf einem Effekt, der in der Ökonomie gut bekannt ist. Formuliert hat ihn der Wirtschaftsnobelpreisträger James Tobin, weshalb er auch unter dem Namen "Tobins q" bekannt ist. Tobins q ist definiert als der Marktwert eines Vermögensgegenstandes – in unserem Fall: des Autos – zu seinen Wiederbeschaffungskosten. Der Gedanke hinter der Kennziffer: Ist der Marktwert eines Gegenstandes höher als seine Wiederbeschaffungskosten, ist q also größer als eins, lohnt sich eine Neuanschaffung.

Ob monetäre Effekte, zum Beispiel staatliche Zuschüsse, die Realwirtschaft beeinflussen, hängt demnach davon ab, wie sie Tobins q verändern. Tobin hat seine Idee zwar auf die Bewertung von Unternehmen an den Börsen angewendet. Ihm zufolge lohnt ein Aktienkauf dann, wenn die Vermögensgegenstände einer Aktiengesellschaft höher zu bewerten sind als ihre Kapitalisierung am Markt. Doch die Kennziffer passt ebenso auf Spezialsubventionen wie die Abwrackprämie.

Die Prämie hat die Wiederbeschaffungskosten für Neuwagen auf einen Schlag um 2500 Euro gesenkt. Tobins q schnellte dadurch in die Höhe. Je geringer die ursprünglichen Wiederbeschaffungskosten waren, desto größer war der Effekt, desto stärker stieg Tobins q – und desto attraktiver der Kauf eines neuen Autos. Der Mechanismus erklärt auch, warum die Hersteller von günstigen Kleinwagen besonders von der Prämie profitieren.