Für Kinder ist das Risiko, von Hartz IV abhängig zu werden, dann besonders hoch, wenn Mutter oder Vater alleinerziehend sind. Weil häufig Betreuungsplätze für die Kinder fehlen, aber manchmal auch einfach deshalb, weil die Arbeitgeber bei den Arbeitszeiten ihrer Angestellten nicht flexibel genug sind. "Eine der größten Problemgruppen sind Alleinerziehende", sagt Anwältin Winkler und ergänzt: "Der Regelsatz ist für ihre Lebenssituation einfach zu gering bemessen." Da helfe auch der sogenannte Mehrbedarfszuschlag nicht, der Alleinerziehenden gewährt wird.

Betreuung:  Mit Hartz IV wurde das Prinzip "Fördern und Fordern" in der Arbeitsmarktpolitik verankert. Das heißt: Wer einen zumutbaren Job nicht annimmt, muss mit Sanktionen rechnen und bekommt vorübergehend einen Teil des Arbeitslosengeldes II gestrichen. Zumutbar – das kann auch eine schlechter entlohnte Tätigkeit sein, oder das Pendeln in den Nachbarort. Im Gegenzug versprach die Politik stärkere Unterstützung bei der Suche nach einem Arbeitsplatz.

"Viele Vermittler arbeiten mit Sanktionen statt Ermutigung", kritisiert jedoch Kornelia Möller, Arbeitsmarktexpertin der Linken-Bundestagsfraktion. Eine bessere Betreuung scheitert in der Praxis außerdem häufig daran, dass es nicht genügend Vermittler gibt. "Dass ein Vermittler 300 Arbeitslose betreuen muss, ist normal. Manchmal sind es sogar bis zu 400", moniert Möller. Kein Sachbearbeiter könne sich unter diesen Umständen vernünftig um seine Arbeitslosen kümmern.

Versprochen hatte die Politik, dass ein Vermittler maximal 150 Erwachsene oder 75 Arbeitslose unter 25 Jahren betreut. Dieses Ziel sei bei Hartz IV noch nicht erreicht, musste auch Arbeitsminister Olaf Scholz feststellen. In den nächsten beiden Jahren sollen daher mehrere tausend Vermittler neu eingestellt werden. Im Jahr 2010, so hofft der SPD-Minister, werde der versprochene Betreuungsschlüssel dann endlich erreicht. "Wer arbeitslos ist, braucht intensivste persönliche Unterstützung, um einen neuen Arbeitsplatz zu finden."

Qualifizierung:  "Qualifizieren statt entlassen", heißt die Parole, die Arbeitsminister Scholz für die Krise ausgegeben hat. Er wirbt dafür, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern auch in der Krise nicht kündigen, sondern sie in Kurzarbeit schicken und während dieser Zeit qualifizieren. Doch die Bundesagentur für Arbeit (BA), so berichtet DGB-Vizechefin Buntenbach, zahle Qualifizierungsmaßnahmen für Kurzarbeiter nur dann, wenn diese keine Hartz-IV-Empfänger seien. Für Aufstocker, die neben ihrem Job auf Arbeitslosengeld II angewiesen sind, müssten die Arbeitsgemeinschaften aufkommen, die aber kaum Geld für die Qualifizierung hätten. "Das ist eine Benachteiligung", sagt die Gewerkschafterin.

Zahlreiche Hürden gibt es auch für Hartz-IV-Empfänger, die selbstständig tätig sind. Während Freiberufler ihre Betriebsausgaben von der Steuer absetzen könnten, gelte das nicht für Hartz-IV- Empfänger, kritisiert die Grünen-Politikerin Pothmer. "Da entscheidet der Fallmanager, was Betriebsausgaben sind. Das kann zu so absurden Debatten führen, ob die Einladung von Geschäftspartnern zum Italiener in Ordnung geht oder ob es nur eine Currywurst hätte sein dürfen." Die restriktive Praxis helfe nicht dabei, die Eigeninitiative von Langzeitarbeitslosen zu stärken oder die Betroffenen schnell wieder aus dem Bezug zu bekommen.