Von Izegem im belgischen Westflandern bis nach Frankfurt am Main sind es 500 Kilometer. Vier Fahrstunden, vielleicht fünf – viel weiter liegen die beiden Tatorte dieser Geschichte nicht auseinander. Doch die Analyse des positiven Dopingtests von David Kopp benötigte für diese Strecke mehr als ein halbes Jahr.

Kopp, 30, ist ein deutscher Radprofi. Vor einigen Jahren galt der kräftige Rheinländer als aufstrebender Spezialist für klassische Eintagesrennen. Mittlerweile hat er offenkundig seine besten Zeiten hinter sich. Bei den früheren Top-Rennställen Telekom und Gerolsteiner, für die er einige Jahre fuhr, konnte Kopp sich nicht durchsetzen. Sein größter Erfolg war 2005 der überraschende Sieg bei "Rund um Köln". In der vergangenen Saison fuhr er nur noch für das belgische Zweitliga-Team Cycle Collstroop, das Ende des Jahres aufgelöst wurde. Nun gab der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) bekannt: Kopp ist positiv auf Kokain getestet worden. Bei einem sogenannten Kirmesrennen im belgischen Izegem.

Das Besondere: Die Kontrolle fand schon am 11. September 2008 statt, vor fast sieben Monaten.

Wie kann es sein, dass ein Sportler erst sieben Monate nach einer positiven Kontrolle angeklagt wird? Die Spurensuche gestaltet sich schwierig. Die belgische Kontroll-Agentur ("Team medisch verantworten sporten") erklärt, dass sofort nach der Kontrolle im Oktober 2008 neben Radprofi David Kopp sowohl die zuständigen Verbände aus Belgien und Flandern (KBWB und WBV) als auch die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada und der Rad-Weltverband UCI informiert wurden. Eine Meldung an den deutschen BDR hielt dort aber anscheinend niemand für notwendig.

Stattdessen wartete man beim Weltverband auf die kompletten Unterlagen der Brüsseler Anti-Doping-Agentur. Und wartete. Und wartete. Erst Anfang Februar leiteten die belgischen Kontrolleure die Akte weiter an den UCI. Eine Sprecherin begründet diese Verzögerungen in Brüssel mit "anderen liegengebliebenen Fällen und der Umstellung auf die neuen Wada-Regularien".

Anfang Februar also gingen die Unterlagen an den Rad-Weltverband, doch erst Ende März wurde der positive Doping-Test von David Kopp veröffentlicht. Warum so spät? Nachfragen bei Wada und UCI enden ergebnislos. Der Wada-Pressesprecher Frédéric Donzé erklärt, die Wada schreite höchstens ein, wenn ein Urteil gefällt ist. Vorher sei die Bearbeitung Sache der nationalen Agenturen und der Sportverbände. Man solle doch bitte bei der UCI fragen.

Die Anti-Doping-Beauftragte der UCI, Anne Gripper, will zum speziellen Fall David Kopp keine Auskünfte geben. Wann kam die Nachricht aus Belgien? "Wenden Sie sich da doch bitte an die belgische Behörde." Und wann ging die Nachricht weiter an die deutschen Radler? "Fragen Sie da doch bitte beim BDR direkt nach."