Krankenhäuser in ganz Indonesien halten schon exklusiv ausgestattete VIP-Räume bereit: Für jene Politiker, die bei den Wahlen am heutigen Donnerstag nicht gewinnen, und deswegen unter Depressionen leiden.

Schließlich haben sie viel Geld in den Wahlkampf investiert: Indonesische Politiker sind vor allem aufs eigene Vermögen angewiesen. Manchmal kann das richtig teuer werden. Ein Bekannter erzählte von einem Politiker, der einen Pfarrer besuchte, um seine Unterstützung zu ersuchen. Der sagte: "Du kannst gerne meine 6000 Stimmen haben (er sprach von seiner Gemeinde), doch bräuchten wir einen neuen Sportplatz…"

An allen Ecken und Enden hängen Wahlplakate, eine schier unübersichtliche Zahl an lächelnden Gesichtern. 12.000 Kandidaten von 38 Parteien bewarben sich um die 550 Sitze des Parlamentes, das zum dritten Mal seit der Demokratisierung des Landes 1999 neu gewählt wurde. Zur Abstimmung standen in dem riesigen Inselreich außerdem die Abgeordneten der Regional- und Provinzparlamente sowie die Gemeinde- und Stadträte. Zusammengerechnet buhlten damit fast 1,6 Millionen Kandidaten um 16.000 politische Mandate. 170 Millionen Bürger waren zur Wahl aufgerufen.

Die Wahl war vor allem eine logistische Herausforderung: Indonesien besteht aus mehr als 17.000 Inseln, die sich über 5000 Kilometer und drei Zeitzonen erstrecken. Angehörige einiger Minderheiten wie zum Beispiel der Papuer können nicht lesen und benötigten einen eigenen Helfer, um ihre Stimme abzugeben. Und zu lesen gibt es einiges: Jeder Wähler bekam vier dicke Wahlzettel im Format von Zeitungen.

Die Parlamentswahl wird darüber entscheiden, welche Parteien einen eigenen Präsidentschaftskandidaten für die Abstimmung im Juli küren können, wenn die Indonesier zum zweiten Mal direkt einen Präsidenten wählen. Am wahrscheinlichsten erscheint ein Duell zwischen dem Amtsinhaber Susilo Bambang Yudhoyono und der früheren Präsidentin Sukarnoputri Megawati.

In der Provinz Papua kam es am Mittwoch und Donnerstag zu Ausschreitungen. Etwa 100 Separatisten stürmten mit Gewehren, Pfeilen und Bögen bewaffnet eine Polizeistation in Jayapura, einer von ihnen wurde dabei erschossen. Bei zwei anderen Angriffen kamen fünf weitere Menschen zu Tode. Die Vorfälle überschatteten eine ansonsten friedliche Wahl.

Den ersten Hochrechnungen zufolge führt Yudhoyonos Partei mit fast 20 Prozent der Stimmen. Die bislang stärkste Partei Golkar des 1998 gestürzten Diktators Suharto, fiel dagegen auf etwa 13 Prozent ab. Das Endergebnis wird allerdings erst am 9. Mai veröffentlicht.