"Diese Diskussionen sind veraltet. Die Zeit dafür ist vorbei", sagte Mahmud Ahmadineschad dem Spiegel zur Frage, ob Iran die umstrittene Uran-Anreicherung nicht wenigstens vorübergehend aussetzen könne. Er sieht sich in seiner Position international unterstützt, insbesondere von islamischen Staaten. Ahmadineschad wiederholte seine Beteuerung, Iran arbeite nicht an dem Bau einer Atombombe wie im Westen vermutet.

Dennoch wies der iranische Präsident damit erneut das Angebot der USA zurück, die Beziehungen zwischen beiden Staaten zu normalisieren. Schon Im Februar hatte sich ein Regierungsvertreter zitieren lassen, die USA könnten dem Iran die Hand reichen, "indem sie ihr Verhalten grundlegend ändern". Die Vereinigten Staaten und weitere westliche Länder befürchten, dass Iran zivile Atomtechnik auch zu militärischen Zwecken nutzen könnte. Die internationale Gemeinschaft verlangt daher eine Offenlegung des Atomprogramms. Das lehnt Iran bislang ab.

Die US-Regierung hatte schon im Februar die bisherige Isolation Irans beendet und direkte Verhandlungen über dessen umstrittenes Atomprogramm angekündigt: Washington will in Zukunft direkt an den Gesprächen mit Teheran teilnehmen, denn "es gibt nichts Wichtigeres, als den Golfstaat davon zu überzeugen, sein Streben nach der Atombombe einzustellen", bekräftigte am Donnerstag US-Außenministerin Hillary Clinton.

Iran prüft

Damit wird die US-Regierung "von jetzt an als vollwertiger Teilnehmer mit am Tisch sitzen", wenn die Vetomächte des UN-Sicherheitsrats und Deutschland, die sogenannte Sechser-Gruppe, mit Teheran beraten. Die USA hätten EU-Chefdiplomat Javier Solana bereits darum gebeten, das Land zu einer neuen Gesprächsrunde einzuladen. Die bestehenden internationalen Sorgen über das Atomprogramm müssten überwunden werden. "Jeder Durchbruch wäre das Ergebnis der Anstrengungen aller Seiten, einschließlich Irans."

Obamas Idee einer atomwaffenfreien Welt hatte Ahmadineschad im Grundsatz begrüßt. "Auch wir unterstützen eine weltweite atomare Entwaffnung und sind bereit, in dieser Hinsicht unseren Beitrag zu leisten", sagte er. Das Hauptziel müsse jedoch sein, Länder mit nuklearen Waffen abzurüsten, "nicht das Blockieren von Ländern, die ihre eigene Atomkraft erzeugen wollen".