2,4 Millionen Kinder in Deutschland sind arm und ihre Zahl steigt. Christiane Reckmann, Präsidiumsmitglied der Arbeiterwohlfahrt sagt: "Wir wollen das schrottreife Fördersystem nicht länger reparieren, wir wollen es abwracken". Die bisherige Kinderförderung sei "bürokratisch, intransparent und ungerecht". Die Arbeiterwohlfahrt gehört wie der Kinderschutzbund, die GEW, Pro Familia und namhafte Familienexperten dem "Bündnis Kindergrundsicherung" an. 

Deshalb rufen die Sozialverbände und Experten zu einer "Revolution in der Familienpolitik" auf. Sie forderten heute in Berlin 500 Euro monatlich für jedes Kind. Die Summe setze sich zusammen aus rund 320 Euro Existenzsicherung und einem Ausbildungsbedarf von 180 Euro, rechnete der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, vor.

Sie soll die bestehende Familienförderung aus Kindergeld, Sozialgeld, Kinderzuschlag und BAföG ablösen. Mit diesem Modell könnten Kinder unabhängig vom Einkommen der Eltern bis zum 27. Lebensjahr abgesichert werden. Die Kosten sind hoch, etwa 100 Milliarden Euro. Allerdings könnten sie nach dem Systemwechsel weitgehend aus den bisherigen Familienleistungen finanziert werden, argumentieren die Befürworter.

Laut Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers soll das Geld also zum Teil aus den 44,5 Milliarden Euro kommen, die durch den Wegfall bestehender Familienleistungen frei würden. 30 Milliarden fallen dadurch an, dass die Grundsicherung besteuert werden soll, Gutverdiener erhalten also entsprechend weniger. Die Abschaffung des Ehegattensplittings soll einen weiteren zweistelligen Milliarden-Betrag bringen. Nach den Berechnungen der Vertreter der Grundsicherung müssen nur sehr wohlhabende Alleinverdiener und Paare ohne Kinder mit Einbußen rechnen.

Maßnahmen zur Bekämpfung der Kinderarmut werden in den kommenden Jahren immer dringender werden: "Mit oder ohne Krise - in gut 20 Jahren werden von den knapp über 10 Millionen Menschen unter 18 Jahren in unserem Land etwa 4 bis 5 Millionen in Armut leben", sagte Hilgers voraus.

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen kündigte eine Überarbeitung der bisherigen Kinder-Förderung für die nächste Legislaturperiode an. Zum Vorschlag der Verbände äußerte sie sich skeptisch: "Die bisher präsentierten Modelle sind nicht fundiert genug und werden deshalb von uns nicht unterstützt."

Was halten Sie davon? Wäre dieses Modell gerechter als das bisherige? Wie kann man sicherstellen, dass das Geld auch den Kindern und ihrer Bildung zugute kommt? Diskutieren Sie mit.