Jürgen Klinsmann ist in der Presse durchgefallen. Die wenigsten geben ihm noch eine Chance, seine Reformen in München durchzuführen. Zwar wird auf die Mitschuld der Klubführung an der desaströsen 0:4-Niederlage in Barcelona verwiesen, doch der Trainer mit giftigen Vokabeln aus der Wirtschaftswelt bedacht. Die mit "Spott" noch wohlwollend bezeichnet wären. Klinsmanns Ankündigungen, mit denen er im Sommer 2008 seinen Beginn versah, sind in der FAZ "Lehrsätze eines schlechten Unternehmensberaters", er selbst ein "angeblicher Visionär ohne klare Vorstellungen". Sogar das Etikett "Investmentbanker" findet Roland Zorn treffend: "Aus den tollsten Gewinnversprechen sind längst schwere Verlustmeldungen geworden. Die Scheidung zwischen den Bayern und einem angeblichen Visionär ohne klare Vorstellungen ist nur noch eine Frage der Zeit."

Wolfgang Hettfleisch ( FR ) rät Klinsmann, die Lehre zu ziehen, das Gute zu bewahren: "Klinsmann ist bislang den Nachweis schuldig geblieben, ein fähiger Fußballtrainer auf höchstem Vereinsniveau zu sein. Diese Erkenntnis hat eine tröstliche Seite: Auch der Nutzen des importierten Vulgärwissens aus Management-Seminaren, auf dessen Basis Training und Umfeld umgekrempelt wurden, muss hinterfragt werden. Nicht weil, was neu ist, per se schlecht sein muss, sondern weil das Neue nicht automatisch auch gut und richtig ist."

Daniel Theweleit ( taz ) nimmt Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Franz Beckenbauer ins Visier: "Unter Experten ist es nichts Neues, dass der FC Bayern (wie übrigens auch das international erfolglose Inter Mailand) Einzelspieler kauft, während echte Spitzenteams wie Manchester United oder der FC Barcelona menschlich und fußballerisch harmonierende Gruppen kreieren. Diese Kunst gehörte noch nie zu den Stärken der Münchner, was man auch daran erkennen kann, dass fast kein Spieler, der in den letzten Jahren nach München gewechselt ist, dort besser wurde. Diese dauerhaften Probleme sind gewiss nicht die Schuld Klinsmanns, und deshalb bleibt es spannend, ob sich die Herren Beckenbauer, Rummenigge und Hoeneß nach der zu erwartenden Trennung vom ihrem Trainer eingestehen, dass sie die Verantwortlichen für nunmehr acht Jahre europäische Erfolglosigkeit sind. Der 'Change' ist überfällig, aber derzeit sieht es so aus, als müsste er auch andere Bereiche berühren als nur die Trainerposition und das sportliche Segment."

Nico Stankewitz ( stern.de ) fügt hinzu: "Die Verantwortung für den schlecht zusammengestellten, sehr kostspieligen Kader trägt Klinsmann nur zum kleineren Teil, Hoeneß, Rummenigge und Breitner sollten sich hinterfragen, denn der Hauptfehler stammt aus der Vorsaison, als man in Verklärung der realen Leistungen den Umbruch für abgeschlossen erklärte und offenbar wirklich glaubte, ein Spitzenteam von europäischem Niveau zu besitzen. So unterblieben notwendige Änderungen und Ergänzungen, der neue Trainer wurde mit einem unzureichend besetzen Kader auf die Reise geschickt."

Den Mangel einer Spielidee wendet Klaus Hoeltzenbein ( SZ ) ins Grundsätzliche: "Der FC Bayern hat seine sportliche Identität verloren."