"Ein guter Mann verdient bei uns auch gut" – das ist so ziemlich alles, was Hartmut Mehdorn in den zehn Jahren an der Spitze der Deutschen Bahn über Geld gesagt hat. Sein Vertrag wäre noch bis zum 19. Mai 2011 gelaufen. Jetzt wird Mehdorn 25 Monate früher den Chefsessel räumen – im Zuge der Datenaffäre hatte er seinen Rücktritt angeboten. Aber nicht, ohne ein letztes Mal für Streit zu sorgen. Er drohe mit rechtlichen Schritten, sollte der Bund seinen Vertrag nicht voll erfüllen, schreibt das Handelsblatt.

Seit 2007 lag Mehdorns Grundgehalt bei 750.000 Euro pro Jahr. Die Untergrenze dessen, was ihm noch zusteht, dürfte also bei 1,5 Millionen Euro liegen. Angeblich sollte aber sein Grundgehalt in diesem Jahr auf 900.000 Euro steigen, so dass Mehdorn auf ungefähr 1,7 Millionen Euro Anspruch hätte.

Hinzu kommen Prämien und Boni, die an mehrere Erfolgskennzahlen gekoppelt sind – etwa an Umsatz oder Gewinn. In den vergangenen Jahren waren sie fast dreimal so hoch wie Mehdorns feste Bezüge. 2007 summierte sich sein Jahresgehalt damit laut Bahn-Geschäftsbericht auf 2,98 Millionen Euro. 2008 waren es noch 1,94 Millionen – die Wirtschaftskrise in den letzten Monaten des Jahres hatte das Geschäft empfindlich getroffen. Die entsprechenden Maßzahlen, an denen sich die Bezahlung orientiert, hatte der Aufsichtsrat festgelegt. Wie stark die Zusatzbezüge sein Gehalt bis zum Ende des Managervertrags erhöht hätten, lässt sich kaum abschätzen.

Rechtlich gesehen ist der umstrittene Manager auf der sicheren Seite. "Ich habe dem Aufsichtsratsvorsitzenden die Auflösung meines Vertrages angeboten", hatte er bei seinem letzten Auftritt als Konzernchef gesagt. Damit hat der 66-Jährige zwar faktisch selbst den Posten geräumt, nachdem er im Zuge der Datenaffäre den Rückhalt der Gewerkschaften und des Kanzleramtes verloren hatte. Juristisch gesehen muss nun aber die Bahn handeln und ihm einen Auflösungsvertrag anbieten.

Denn Mehdorn hat ausdrücklich nicht von sich aus gekündigt. Auch hat ihn der Eigentümer, also der Bund, nicht hinausgeworfen. Das wäre nur möglich, wenn er Mehdorn schwere Verfehlungen nachweisen könnte. In diesem Fall würde keine Abfindung fließen. Ob die Sonderermittler in der Datenaffäre Gesetzesverstöße der Bahn ans Tageslicht bringen, ist noch unklar. Bislang hätten sie "nichts strafrechtlich Relevantes gefunden", hatte Mehdorn gesagt.

Bei den Gesprächen über eine Abfindung geht es nun, wie immer bei Mehdorn, auch um Politik. Ein "gewisses Gebot zur Mäßigung" solle er berücksichtigen, riet Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Mittwoch. Er müsse mit der Frage "sehr sensibel umgehen und differenzieren", befand Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU).