Angesichts von weltweit über 200 Millionen Migranten - die Mehrheit lebt in Europa, gefolgt von Asien, Nordamerika und Afrika - muss die globale Bedeutung dieses Themas nicht besonders unterstrichen werden. Hauptursachen für Migration sind das globale Lohngefälle sowie die hohe Arbeitslosigkeit und fehlende Bildungsmöglichkeiten in den Entsendestaaten. Daneben führen Kriege, politische Verfolgung und der Klimawandel zu einem Anstieg globaler Migrationsströme.

Um dieser Ströme Herr zu werden, wird heute das Konzept der zirkulären Migration diskutiert. Die Idee ist, dass Migranten für eine begrenzte Zeit von Zielländern mit Arbeitskräftemangel aufgenommen werden und nach Ablauf der Frist – eventuell unter Beibehaltung einer Wiederkehroption – in ihre Heimatländer zurückkehren. Die Industriestaaten versprechen sich so eine Eindämmung und Kontrolle der internationalen Migrationsströme. Zirkuläre Migration ist daher ein auf den ersten Blick interessantes Konzept. Ein genauerer Blick nährt jedoch Befürchtungen, dass damit die Fehler der Gastarbeiter-Politik der Vergangenheit wiederholt werden.

So sind die Vorteile für alle Beteiligten zunächst nicht von der Hand zuweisen. Aufnahmeländer können ihren Arbeitskräftemangel überbrücken und ihr Wirtschaftswachstum ankurbeln. Gerade klassische Einwanderungsländer, wie Kanada, Australien oder Neuseeland, profitieren von hochqualifizierten Einwanderern. Entsendeländer profitieren von steigenden Auslandsüberweisungen ihrer entsendeten Arbeitskräfte, die auf jährlich 250 bis 400 Milliarden US-Dollar geschätzt werden und mittlerweile die zweitwichtigste Finanzquelle nach den ausländischen Direktinvestitionen sind.

Da die Überweisungen oftmals auch als Rücklage für die Migranten dienen und in die Verbesserung der familiären Lebensumstände oder die eigene Selbstständigkeit investiert werden, können dadurch auch der Aufbau lokaler Wirtschaftsstrukturen gefördert und neue Entwicklungsimpulse freigesetzt werden. Ferner verbessern Rückkehrer aufgrund ihrer im Ausland erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen ihre Aussichten auf eine Tätigkeit auf dem nationalen Arbeitsmarkt.