Die Kritik an Jürgen Klinsmann geht ins Persönliche, auch wenn er seine Gegner durch den 4:0-Sieg über Eintracht Frankfurt ein paar Tage Pause verordnet hat. Nun hat ihm Günter Netzer "Arroganz" vorgeworfen . Michael Horeni ( FAZ ) beantwortet die Frage, warum die Debatte in diesem Ton geführt wird und warum sich so viele daran beteiligen: "Es geht um die Deutungshoheit in einem Änderungsprozess inklusive Machtverlust, der im deutschen Fußballexpertentum noch immer scharfe Abwehrreaktionen hervorruft. Im Kern geht es um die Frage, ob sich Reformen in der Bundesliga tatsächlich durchsetzen lassen – und zu welchem Preis." Zudem wirft er den Bayern Halbherzigkeit und Mutlosigkeit vor: "Sie hofften auf einen Wandel ohne große Schmerzen mit Titeln inklusive. Es war und ist jedoch eine Illusion zu glauben, ein neuer Trainer allein könne Wandel herbeizaubern."

Die Torwartfrage ist bei den Bayern offenbar eine politische Frage. Aus der SZ erfahren wir, dass Sepp Maier ausgeplaudert habe, dass Klinsmann vor der Saison Jens Lehmann nach München holen wollte. Bezeichnenderweise habe der Aufsichtsrat abgelehnt. Schon in der Vorrunde habe Klinsmann einem Nachwuchstorwart den Vorzug geben wollen. Uli Hoeneß hat Michael Rensing immer verteidigt, weil er ihn jahrelang mit dem Erbe Oliver Kahns vertröstet hat. Klinsmann hingegen soll nie ein Rensing-Freund gewesen sein. Inzwischen soll Hoeneß den Widerstand gegen Klinsmanns Plan, Rensing aus dem Tor zu nehmen, aufgegeben haben: "Jürgen, mach', was du für richtig hältst!", gibt Klinsmann Hoeneß wieder.

Michael Neudecker ( Berliner Zeitung ) schreibt: "Es war eine Botschaft an Uli Hoeneß – Rensing ist Hoeneß' Nummer 1. Auch deshalb schweigt Hoeneß wohl wie Rummenigge seit der Nacht von Barcelona." Klaus Hoeltzenbein ( SZ ) hält den Torwartwechsel für "fachlich gerechtfertigt". Dass Klinsmann die Entwicklung Rensings im Saisonendspurt hinten anstellt, "kann im Umkehrschluss nur bedeuten, dass der FC Bayern lange wissentlich den Schwächeren, nämlich Rensing, im Tor stehen hatte."

Beim 2:1-Sieg im Mönchengladbach entdeckt Bernd Müllender ( FR ) einen Aspiranten für den Titelgewinn: "Man muss Wolfsburg im wechselvollen Titel-Gerangel 2009 ernster nehmen denn je. Der VWfL hat zum neunten Mal hintereinander gewonnen. Das ist phänomenal. Er hat jetzt allein drei Punkte Vorsprung – das ist ein kleines Polster, das auch mal einen Ausrutscher erlaubt. Und mit jedem Spieltag zählt das (vermeintlich) leichte Restprogramm des Hauptkonkurrenten Bayern München weniger. Die Stärken der Wolfsburger sind Zähigkeit und Unberechenbarkeit. Sie strahlen nervende Ruhe aus und wiegeln den Gegner mit ihrer Scheinschläfrigkeit in Sicherheit."

Peter Ahrens ( Spiegel Online ) notiert einen weiteren Geheimtipp, den 1:0-Sieger gegen den HSV: "Als Trainer stehen Markus Babbel die großen Negativerlebnisse noch bevor, aber in dieser Spielzeit dürfte er sie nicht mehr erleben. Zu gefestigt erscheint sein Team. Dabei hat Babbel einen Kader mit teilweise problematischen Charakteren zu führen. Doch wenn das Team so weitermacht wie in den vergangenen Wochen und sich Wolfsburg nur eine kleine Schwächeperiode erlauben sollte (und das Auswärtsspiel beim VfB verliert), dann scheint in Stuttgart sogar noch alles möglich. Alles heißt: Meisterschaft."

Frank Hellmann ( FR ) hingegen schreibt den ehemaligen Tabellenführer Berlin nach dem 0:2 in Hannover und der Roten Karte für Torjäger Andrej Woronin ab: "Die Höhenluft ist der Hertha nicht gut bekommen. Im Grunde war es für die über ihre Verhältnisse spielende Mannschaft der Anfang vom Ende, als die Papp-Meisterschalen auftauchten und jeden Tag intensiver der Titeltraum debattiert und kommentiert wurde. Favres gut sortiertem Ensemble fehlt ein Stückchen Klasse, Konsequenz und Konzentration."