Wer hat den Hund von der Leine gelassen? Auf diese Information wartet halb Washington noch. Die Medienstrategie des Weißen Hauses wurde durchkreuzt. Überhaupt hofft Amerika auf eine Reihe von Auskünften zu unbeantworteten Fragen. Die Neugier in der Hauptsache ist aber endlich befriedigt: Die First Family ist nun komplett, und die Nation kann sich ein Bild vom neuesten Mitglied im Weißen Haus machen: ein sechs Monate junger Portugese Waterdog namens Bo. Die Washington Post und die Internetseite FirstDogCharlie teilen sich die Ehre, über Ostern die ersten Fotos verbreitet zu haben. Die Pressechefs im Weißen Haus hatten die öffentliche Vorstellung des präsidialen Hundes angeblich erst für Dienstag geplant, exklusiv in der "Washington Post", als Ausgleich dafür, dass die New York Times bei der Story über Michelle Obamas neuen Gemüsegarten bevorzugt worden war. Doch dann kam FirstDogCharlie dazwischen. Bisher ist unklar, wer hinter dieser Webseite steckt.

So ranken sich trotz seines kurzen Hundelebens bereits so viele Geheimnisse um Bo, dass manche Medien wohl noch wochenlang an den Enthüllungen verdienen können. Er ist mit solchen Berühmtheiten wie den Kennedys in Berührung gekommen. Er trägt schon seinen dritten Namen und musste mehrfach den Haushalt wechseln. Seit welchem Tag genau Bo im Weißen Haus lebt, wurde noch nicht preisgegeben. Auch das ist eine wichtige Frage. Vor seiner Europareise hatte Obama versprochen, "der Hund wird da sein", wenn er aus Europa zurückkehre. Doch dann landete der Präsident am Dienstag vor einer Woche, aber tagelang gab es noch immer keine Neuigkeiten von der Hundefront.

Edward Kennedy liebt diese Hunderasse

Heraus kam nun jedoch, dass Bo, ehe er ins Weiße Haus einzog, dort bereits einmal zu Besuch war, damit die Obamas ihn kennenlernen: "vor einigen Wochen", präziser wird auch das nicht eingegrenzt. Die "The Meeting" genannte Operation blieb damals den Medien verborgen. Auch für die Obama-Töchter Malia, 10, und Sasha, 7, sei es eine Überraschung gewesen. Alle Beteiligten seien sich von Beginn an sympathisch gewesen. Der Hund habe gleich erkannt, wer Herr im Hause sei. Er sei dem Präsidenten gefolgt, als der im Raum herumging. Ansonsten habe er sich als gut erzogen erwiesen: Er nahm Platz, wenn die beiden Mädchen sich setzten; er stand auf, wenn sie sich erhoben. Es habe weder "Toiletten"-Missgeschicke bei dem Besuch gegeben, noch habe er Möbel angeknabbert. Aber Bo hat ja auch Benimm-Unterricht in der Hundeschule bekommen, in die Senator Edward Kennedy seine drei Portugese Waterdogs, kurz PWD oder "Porties", schickt.

Dass die Obamas sich für die Rasse entschieden, die Edward Kennedy liebt - mehr noch: dass seine Frau Victoria die Verbindung zu den Züchtern herstellte - löst bei vielen Amerikanern große Gefühle aus. Er ist der einzige überlebende Bruder von John F. und Bobby Kennedy, die in den 60er Jahren erschossen wurden. Edward hat nun einen Gehirntumor. Er hat Obama 2008 zum politischen Erben der Kennedys ausgerufen. Manchen Amerikanern dient der Hund als Sinnbild, dass ein Stück Kennedy im Weißen Haus fortlebt.

Bo wurde verstoßen