Wenn sie das Wort ergreift, zuckt das Land meist zusammen. Die Stimme scharf wie ein Rasiermesser, im Ton kalt, knapp und schnippisch. Was sie zu sagen hat, lässt wenig Zweifel offen, dass hier eine Frau spricht, die sich am liebsten im Scharfrichter-Deutsch der Welt mitteilt. Die österreichische Innenministerin Maria Fekter, 53, versäumt keine Gelegenheit, ihrem Beinamen "Maria-ohne-Gnade" alle Ehre zu machen. So kennt man sie in Wien, so kennt man sie auf der europäischen Bühne.

Beim Treffen der EU-Innenminister zu Beginn der Woche verblüffte die ehemalige Klosterschülerin aber auch jene Kollegen, die mit der Hardlinerin bereits bestens vertraut waren. Auf der Tagesordnung stand die Aufnahme von Häftlingen aus dem amerikanischen Internierungslager Guantànamo, denen US-Präsident Barack Obama die Freiheit versprochen hat.

Es handelt sich dabei um rund 50 Menschen, die ohne eigenes Verschulden in die Fänge der amerikanischen Militärjustiz geraten waren und nun nicht mehr in ihre Heimatländer zurückkehren können, weil dort für sie Gefahr an Leib und Leben besteht. Nur mühsam haben sich viele europäische Staaten dazu durchgerungen, diesen Opfern der US-Selbstjustiz Asyl zu bieten.

Nicht so Österreich: Standhaft weigert sich das neutrale Land seit je einem aus Guantànamo Entlassenen Aufenthaltsrechte zu gewähren. Als nach der Vereidigung von Barack Obama das Freilassungs-Versprechen spruchreif wurde, bekräftigte die österreichische Regierungsspitze: "Das ist ein Problem, das die Amerikaner geschaffen haben; jetzt sollen sie es auch selbst lösen."

Nun verschärfte die österreichische Innenministerin den ablehnenden Kurs der Wiener Regierung und erzeugt dadurch europäische Probleme. Sollten einzelne Häftlinge in einem Land des Schengen-Raumes Asyl finden, schlug Maria Fekter Alarm, so könnten diese ja die Reisefreiheit ausnutzen und quasi durch die Hintertür unkontrolliert in den idyllischen Alpenstaat einsickern. Dagegen verwahre sich ihr Land. Sie forderte vielmehr, Guantànamo-Häftlinge dürften nur auf Basis eines "territorial eingeschränkten Visums" in Europa Zuflucht finden. Zudem müssten sich potenzielle Aufnahmeländer zur Rücknahme all jener verpflichten, die außerhalb dieser Visa-Zone aufgegriffen würden.

Dass diese eigenwillige Idee sämtliche europäischen Regeln auf den Kopf stellen und eine neue Kategorie von Asylanten schaffen würde, stört die Ministerin nicht im Geringsten. Im Gegenteil: Zurückgekehrt in Wien stellte sie in den Raum, Österreich könnte ja eine europäische Lösung blockieren, sollten ihre Forderungen nicht erfüllt werden.