Die vielfältigsten Osterbräuche gibt es in den katholisch geprägten Gegenden Deutschlands wie Bayern, Baden-Württemberg und dem Rheinland. Doch auch in Ostdeutschland werden seit der Wiedervereinigung viele alte, sorbische Rituale wiederbelebt.

So etwa das Osterreiten : Dieser Brauch hat - wie so viele - einen heidnischen Ursprung. Die Slawen ritten im Frühjahr um ihre Felder, um die bösen Wintergeister zu vertreiben und eine gute Ernte heraufzubeschwören. Heute satteln am Ostersonntag Männer mit Frack und Gehrock ihre festlich geschmückten Pferde und überbringen der Nachbargemeinde die Nachricht der Auferstehung Christi. Dem Brauch zufolge muss die besuchte Gemeinde einen Gegenbesuch abstatten. Ein wichtiges Detail dabei: Die Prozessionszüge, die zum Teil aus mehr als hundert Reitern und Pferden bestehen, dürfen sich nicht kreuzen - das bringt nämlich Unglück. Das Osterreiten wird vor allem in der Oberlausitz, zum Teil auch in der Niederlausitz veranstaltet.

Wer Otfried Preußlers Jugendroman Krabat gelesen hat, weiß, welche Bedeutung man dem Schöpfen des Osterwassers zuschreibt: Es bietet Schutz vor schwarzer Magie. Früher trieben die sorbischen Bauern ihr Vieh am Morgen des Ostersonntags in einen Bach, um es vor Krankheit zu schützen. Frauen, die sich das Gesicht mit dem Wasser benetzten, soll es ein Jahr lang Schönheit und Jugend verleihen. In einigen Spreewalddörfern ist der Brauch inzwischen wiederbelebt worden: Die Mädchen pilgern im Morgengrauen zu einem Fluss, der aus östlicher Richtung, von Sonnenaufgang her, fließt und füllen Wasser in einen Krug. Doch auch hier gibt es einen Haken: Das Wasserholen muss unter absolutem Schweigen erfolgen. Verstoßen die Mädchen dagegen, verliert es seine Segenskraft und wird zum "Plapperwasser".

Eine kulinarische Spezialität mit langer Tradition sind die Ostersemmeln . In der Gemeinde Attendorn im Sauerland wird dieses spezielle Gebäck seit mehr als 350 Jahren am Karsamstag gesegnet. Die Attendorner Ostersemmel mit ihren eingeschnittenen Enden soll angeblich an das frühchristliche Fisch-Symbol erinnern. In anderen Regionnen werden drei Teigsträhnen zusammengeflochten, als Zeichen der Dreifaltigkeit.

Eierspicksen , in Norddeutschland heißt es Eierbikken und am Niederrhein vergnügt man sich beim Eier-Titschen. Gemeint ist immer das Gleiche: Zwei Personen treten gegeneinander an und stoßen ihre hartgekochten Ostereier so lange mit der stumpfen Seite aneinander, bis das erste zu Bruch geht. Dann geht es weiter mit den Ei-Spitzen. Sieger ist, wessen Ei am längsten heil bleibt. Üblicherweise dient der Brauch der Eröffnung des Ostersonntags-Festmahls.

In Bayern spricht man vom

Etwas sportlicher geht es beim Waleien zu. Dieser sorbische Brauch wird heute noch in verschiedenen Gegenden der Ober- und Niederlausitz gepflegt. Dazu schüttet man aus Sand einen kleinen Hügel auf, von dem aus die hartgekochten Eier in eine Grube gerollt werden. Wie beim italienischen Boccia ist es Ziel des Spiels, die Eier der anderen Mitspieler zu treffen. Sieger ist, wer am meisten Eier erwischt hat.