Der Bund hat das lang erwartete Übernahmeangebot für den schwer angeschlagenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) vorgelegt. Über den Bankenrettungsfonds Soffin will er die HRE komplett übernehmen und damit seinen Anteil von bisher 8,7 auf 100 Prozent erhöhen. "Das Angebot ist die Gelegenheit für die Aktionäre, zu einem attraktiven Preis aus ihrem Investment auszusteigen", heißt es in der Mitteilung des Soffin.

Insgesamt will die Bundesrepublik 290 Millionen Euro bieten. Das entspricht 1,39 Euro je Aktie, deutlich mehr, als an der Börse erwartet worden war. Gemessen am letzten Schlusskurs beträgt der Aufschlag rund 16 Prozent. Laut Gesetz müsste der Bund mindestens 1,26 Euro zahlen, der jetzige Preis liegt rund zehn Prozent darüber. Offenbar versucht der Bund mit dem Aufschlag den Aktionären das Geschäft schmackhaft zu machen.

Erstmals seit 60 Jahren schickt sich eine deutsche Bundesregierung damit an, ein Geldinstitut vollständig zu verstaatlichen. Seit Donnerstag ist ein eigens auf die HRE zugeschnittenes Enteignungsgesetz in Kraft, das einen solchen Schritt ermöglicht. Der Soffin betonte, man wolle auf diesem Wege eine Insolvenz der HRE abwenden. Diese hätte "substanzielle, kaum abschätzbare Auswirkungen auf die nationalen und internationalen Finanzmärkte" und auf die "gesamte Volkswirtschaft". Der Bund will die Bank deshalb nach dem Einstieg rekapitalisieren und mit Garantien stabilisieren.

Einen Zeitplan für die Übernahme nannten die Frankfurter Fondsverantwortlichen nicht. Allerdings solle das Angebot "sehr zügig" durchgeführt werden. Details sollten in den Angebotsunterlagen bekannt gegeben werden, die innerhalb der nächsten Tage nach der Prüfung durch die Finanzaufsicht BaFin veröffentlicht werden.

Im Gegensatz zu einem HRE-Sprecher, der das Angebot des Soffin begrüßte, blieb der Großaktionär der HRE, J.C. Flowers, bei seiner Haltung. Flowers will weiterhin Anteilseigner des Immobilienfinanzierers bleiben. Zunächst müsse der Investor die Offerte "erst einmal lesen", sagte ein Flowers-Sprecher. Es gebe eine klare Präferenz, als Aktionär im Unternehmen zu bleiben und insofern genauso behandelt zu werden wie Aktionäre von Banken, die auch unter den Rettungsschirm mussten". Der Sprecher unterstrich: "Das ist nach wie vor die Präferenz".

Möglich ist auch, dass Flowers gegen das Enteignungsgesetz klagen wird. Mehrere Experten hatten Flowers zuletzt gute Chancen hierfür eingeräumt. Der Investor hat sich hierzu bislang noch nicht geäußert. Die HRE musste nach Fehlspekulationen ihrer Tochter Depfa im Herbst vor dem Aus gerettet werden. Mittlerweile wird sie von Bund und Banken mit 102 Milliarden Euro gestützt. Nach 5,5 Milliarden Euro Verlust im Jahr 2008 braucht sie bald eine große Geldspritze.