33 amerikanische Präsidenten und Premiers wird Barack Obama am Freitag treffen. Der US-Präsident nimmt am fünften Gipfel der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) in Trinidad teil, auf dem so wichtige Themen wie die Wirtschaftskrise, die Einwanderung in die USA oder der Drogenkrieg in Mexiko diskutiert werden. Besonderes Interesse aber wird auf diesem Treffen einem Land zukommen, das gar nicht teilnimmt: Kuba. Der unregelmäßig stattfindende OAS-Gifel gilt traditionell als Gelegenheit, wichtige Probleme des gesamten Kontinents zu besprechen.

Als das Treffen 2005 in Argentinien zum letzten Mal stattfand, waren die Beziehungen zwischen der US-Regierung unter George W. Bush und ihren südlichen Nachbarn in einem denkbar schlechten Zustand. Schon damals regierten in mehreren mächtigen Ländern Mittel- und Südamerikas ausgesprochene Widersacher Washingtons. Der Kontinent war in eine proamerikanische und eine antiamerikanische Front geteilt – und so konnten sich die 2005 auf dem Gipfel anwesenden Nationen auf keinen einzigen Punkt ihrer damaligen Tagesordnung einigen.

Am Vorabend des diesjährigen Treffens auf den karibischen Inseln Trinidad und Tobago scheint die Lage nun eine gänzlich andere zu sein. Für die Mittel- und Südamerikaner gilt der Gipfel als offizielle Vorstellung Obamas, eines US-Präsidenten, von dem sie immer mehr zu erwarten wagen. Und Obama hält bislang sein Wort. Seine Wahlkampf-Versprechen – auf die die Regierenden Lateinamerikas von rechts wie von links zwar positiv, aber skeptisch reagierten – verwirklicht der amerikanische Präsident mit erstaunlicher Konsequenz.

Und nun trifft Obamas Wandel die Länder direkt ins Mark. Am 13. April, drei Tage vor Beginn des Gipfels, lockerte er die Fesseln, mit denen Washington das kommunistische Regime auf Kuba seit fast 50 Jahren zu isolieren und damit zu vernichten versucht. Die 1,6 Millionen Kubanischstämmigen, die auf US-Boden leben, dürfen jetzt auf die Insel so oft reisen und dorthin soviel Geld überweisen, wie sie wollen. Bislang konnten sie nur einmal im Jahr das Land besuchen und maximal 75 Dollar pro Monat überweisen. Obamas Schritt gilt als strategisch perfekt, zumal Kubas Schicksal in den letzten Jahren eine Herzensangelegenheit nahezu aller Politiker Lateinamerikas geworden ist.

Nicht nur die kleinen und großen Anführer des Links-Wandels in Lateinamerika – der Venezolaner Hugo Chávez, der Brasilianer Luiz Inácio Lula da Silva, die Argentinierin Cristina Fernández, der Bolivianer Evo Morales, der Ecuadorianer Rafael Correa, der Paraguayer Fernando Lugo, der Nicaraguaner Daniel Ortega – sehen in Fidel Castros Revolution ein historisches Vorbild und pflegen mit dem Regime in Havanna beste diplomatische Beziehungen. Auch Nationen im rechtskonservativen und proamerikanischen Lager wie Kolumbien und Mexiko unterhalten ein freundschaftliches Verhältnis mit dem Inselstaat.