Es ist die zweite Wandlung binnen vier Jahren: Der angeschlagene Touristik- und Handelskonzern Arcandor will sein Kerngeschäft neu ausrichten. Künftig konzentriert sich die Konzernführung um Karl-Gerhard Eick in Zukunft allein auf die profitablen Bereiche seiner Sparten Touristik (Thomas Cook), Versandhandel (Primondo) und Warenhaus (Karstadt). Der Schritt sei nötig, um mit den Banken ein mittelfristiges Finanzierungskonzept auf die Beine zu stellen, teilte das Unternehmen mit.

Die 115 Quelle-Technikcenter sowie die rund 1500 Quelle-Shops und acht Karstadt-Filialen zählt Arcandor hingegen nicht mehr zum Kerngeschäft. Diese müssten saniert werden. Sie sollten in einem neuen Vorstandsressort mit dem Namen ATRYS "weiterentwickelt", möglicherweise auch verkauft werden. Auch seine Premium-Häuser, wie das KaDeWe und das Alsterhaus siedelt der Konzern hier an. "Nicht weil sie unprofitabel sind, sondern weil wir uns auf die profilierte Mitte der Gesellschaft konzentrieren wollen", sagte Eick. 

Um seine Sanierungspläne zu realisieren und die angestrebten Renditen zu erzielen, benötigt der Konzern in den kommenden fünf Jahren weitere Kredite in Höhe von 900 Millionen Euro. Nur so könne Arcandor künftig in allen drei Kerngeschäftsbereichen positive Ergebnisse erzielen, sagte Eick. Wie er die zusätzlichen Mittel beschaffen will, sagte er nicht. Klar sei, dass der Konzern die Unterstützung von den Banken, den Kapitalgebern, den Lieferanten und den Vermietern brauche. Möglicherweise werde Arcandor auch auf staatliche Hilfen zurückgreifen.

Ausdrücklich bekannte er sich zum Touristikgeschäft, das er nicht verkaufen will. "Der Touristikbereich Thomas Cook ist und bleibt Kerngeschäft von Arcandor", erklärte er. Damit tritt er Gerüchten und Spekulationen entgegen, dass sich sein Konzern von der 52-Prozent-Beteiligung an Thomas Cook trennen könnte, um so die Sanierung im Versandhandel und Warenhausgeschäft zu finanzieren.

Wie viele Mitarbeiter von dem Umbau betroffen sein werden, ließ das Unternehmen offen. Eick hatte allerdings in einem Zeitungsinterview einen Stellenabbau bei den insgesamt 52.000 Beschäftigten von Karstadt und Quelle nicht ausgeschlossen. Angesichts der "schweren Lage" könnten Stellen abgebaut und Standorte geschlossen werden.