Glaubt man dem Bund Deutscher Kriminalbeamter, geht es um massiven Betrug: Kriminelle verkauften zum Abwracken vorgesehene Autos ins Ausland oder an Exporteure weiter, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Organisation, Wilfried Albishausen, der Bild-Zeitung. In den vergangenen Wochen seien mehrere hundert Altwagen illegal weiterverkauft worden.

Das wäre eindeutig illegal. Denn hat der Autoverwerter für ein Fahrzeug den so genannten Verwertungsnachweis ausgestellt, den man braucht, um die Abwrackprämie kassieren zu können, dann muss der Altwagen auch verschrottet werden. Lediglich ausschlachten darf der Verwerter die Autos noch, um Ersatzteile zu gewinnen.

Schon kurz nach dem Start der Prämie hatte es Hinweise auf Betrügereien gegeben. So war es der Deutschen Umwelthilfe und dem ARD-Magazin Monitor gelungen, Abwrack-Fahrzeuge ins Ausland zu bringen oder sogar wieder in Deutschland zuzulassen. Als Reaktion darauf verlangt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, bei dem die Anträge auf die Prämie gestellt werden müssen, den Fahrzeugbrief inzwischen im Original. Die Betrüger umgingen dies durch schlichte Fälschungen, sagt Albishausen.

Allerdings ist fraglich, ob es in jedem Fall umweltfreundlicher ist, ältere Autos zu verschrotten statt sie zu exportieren oder hierzulande weiterzubenutzen. Denn auch bei der Herstellung von Autos entstehen Schadstoffe und wird Energie verbraucht. Für jedes Auto, das weiterfährt, so die Logik, muss kein neues produziert werden.

Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland betont etwa, dass der jetzt bekannt gewordene Export zwar illegal, aber für die Umwelt  womöglich die bessere Lösung sei. Zwar sollten alte Diesel ohne Abgasreinigung auch in Afrika besser nicht mehr fahren. "Aber Autos sind aufwändig produzierte Wirtschaftsgüter", sagt Lottsiepen. "Und ein neun bis zehn Jahre alter Benziner ist bei den meisten Schadstoffen sauberer als ein moderner Diesel. Einen Opel Corsa in diesem Alter, der auch nicht mehr verbraucht als das aktuelle Modell, könnte man gut weiterbenutzen."

Ohnehin kritisieren sowohl Lottsiepen als auch die Umwelthilfe, dass die Abwrackprämie keinerlei Anreize für den Kauf sparsamer Wagen setzt. Die britische Regierung denkt übrigens daran, die Prämie anders auszugestalten. Sie will den Kauf von Elektroautos finanziell fördern.