Wie ernst nimmt die Fifa das Thema Doping? Den neuesten Entwicklungen zufolge nicht allzu sehr. Jedenfalls hat sie sich gegen die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) mit ihrem Ansinnen durchgesetzt, die Meldepflicht für Fußballer abzuschaffen und durch die Team-Meldung zu ersetzen. In einer Mitteilung heißt es: "Die Fifa vertritt den Standpunkt, dass es in Mannschaftssportarten wie dem Fußball ausreicht, Angaben zum Aufenthaltsort eines Teams und nicht zu demjenigen einzelner Spieler zu machen, da die Spieler oft bei ihren Teams sind und deshalb einfach aufzufinden sind." Anti-Doping-Kämpfer halten das Meldesystem der Wada für unerlässlich, um Doping effektiv zu bekämpfen, etwa um Trainingskontrollen durchzuführen. Im Urlaub brauchen Fußballnationalspieler demnach keinen unangekündigten Besuch mehr zu fürchten. Die FAZ spricht von "Sonderregeln, die das weltweit gültige Regelwerk erschüttern".

Christian Schwager (Berliner Zeitung) fügt hinzu: "Die Fußballer weisen stets jeglichen Dopingverdacht weit von sich, obwohl er sich schon als berechtigt erwiesen hat. Die Fifa hat eben eine starke Lobby, sie ist eine wirtschaftliche Macht. Andere Verbände werden ihrem Beispiel folgen und Sonderrechte fordern. Mit dem Kniefall vor den Fußballern hat sich die Wada enorm geschwächt. (…) Eine der wichtigsten Säulen im Kampf gegen Doping kippt."

Jan Christian Müller (FR) kommentiert den Fall vor dem Hintergrund möglicher Bedenken gegen das Meldesystem durch Datenschützer: "Die Wada ist vor der mächtigen Fifa eingeknickt, weil sie fürchtet, dass der finanzkräftige Weltfußballverband sonst seine geballte Streitmacht an Advokaten aufs Feld geschickt und die datenrechtlich nicht unumstrittene Rundumüberwachung unter Hinweis auf die mangelnde Wahrung der Privatsphäre ihrer Spitzenprofis gekippt hätte."

Sind die Kaisertreuen erblindet?

Dauerthema ist Jürgen Klinsmann, von dem die SZ meldet, dass sich der FC Bayern von ihm im Sommer trennen werde – auch wenn er Meister werden sollte. In Anbetracht der Pfiffe gegen ihn beim Heimspiel gegen Barcelona stellt Anja Schramm (Welt) das Verhältnis zwischen Klinsmann und den Bayern-Fans dem zwischen Nord- und Südpol ähnlich dar: "Es gab wohl kaum einen Trainer, der bei Amtsantritt so wenig Kredit bei seinen Anhängern hatte wie Klinsmann. Es ist eine Mischung aus den Schatten der Vergangenheit und dem Unverständnis für Entscheidungen der Gegenwart, die sie von Klinsmann entfremden. Söldnermentalität in seinen Profijahren halten ihm einige vor, weil er kam und wieder ging, weil er knallharte Verträge aushandelte und dabei ordentlich verdiente. Und später als Nationaltrainer die Degradierung von Oliver Kahn und Sepp Maier, den Münchner Idolen."

Oskar Beck (Stuttgarter Zeitung) kichert – und gibt es Franz Beckenbauer, der sich mal über den Selbstzerstörungsdrang Schalkes mokierte, zurück: "Wer lacht noch über die Schalker? Viel unkoordinierter haben die es zuletzt auch nicht getrieben – oder damals, als sie den Trainer Slomka demontierten und der Beckenbauer aus der Ferne wieherte: ‚Es gibt Klubs, die sich selbst hinrichten.‘ Plötzlich stellt sich heraus: auch bei den Bayern ist nicht alles Kaiser, was glänzt. (…) Sind die Kaisertreuen längst erblindet angesichts des Leuchtschweifs ihrer Lichtgestalt? Jedenfalls, so ahnen die bösen Zungen, wird die Sache bös enden: Der Klinsmann geht, der Kaiser bleibt."

Danke, viel gelacht

Matthias Thieme (FR) hätte Jürgen Klinsmann zu mehr Gelassenheit im Umgang mit der taz-Satire geraten: "Staat und Kirche wissen mittlerweile oft um die Aussichtslosigkeit des Unterfangens. Wer klagt, macht sich oft noch mehr lächerlich. Doch gerade Sportler, Prominente und Firmen, die ihr Image wie eine kostbare Ware hüten, ziehen mit ihrer ökonomischen Potenz gerne vor Gericht. Fußballer sind geradezu prädestiniert, dank ihrem hohen Einkommen und ihrer intellektuellen Unterversorgung in die Falle zu tappen, juristisch gegen Satire vorzugehen. Was die jeweils zu Tode Beleidigten nicht vorhersehen ist, dass ihre Entrüstung für das Publikum nur weiteren Unterhaltungswert bringt: Klinsi will nicht Heiland sein – danke, viel gelacht."