In seinem populären Weblog hatte der Südkoreaner Park Dae Sung unter dem Namen "Minerva" regelmäßig Vorhersagen und regierungskritische Beiträge veröffentlicht. "Minerva" kündigte den Zusammenbruch von Lehman Brothers an – fünf Tage später trat er ein. Verlässlich hatte er auch vorhergesagt, wie stark die südkoreanische Währung im Oktober an Wert verlieren werde.

Zwar stimmten nicht alle Vorhersagen des beliebten Bloggers, doch mit seinen mehr als 100 Blogeinträgen schuf er sich eine große Fangemeinde. Die südkoreanische Regierung war alarmiert, Park Dae Sung wurde angeklagt.

Die Staatsanwaltschaft warf dem 30-jährigen Koreaner bei der Festnahme im Januar vor, mit seinen Beiträgen zur Wirtschaftspolitik der Regierung erheblichen finanziellen Schaden angerichtet zu haben. Mit der bewussten Verbreitung von Falschinformationen habe "Minerva" im Internet die Stabilität des Wechselkurses gefährdet, hieß es in der Anklageschrift.

Zur Stabilisierung des Marktes habe die Regierung deswegen einen Teil der Devisenreserven mobilisieren müssen. Die Vorwürfe sah das Gericht allerdings als nicht erwiesen an. Es sei dem Angeklagten schwer nachzuweisen, mit seinen Einträgen bewusst irreführende Informationen weiterverbreitet zu haben, befand der Vorsitzende Richter am Bezirksgericht in Seoul am Montag.

Die Verhaftung von Park Dae Sung hatte in Südkorea eine heftige Debatte über freie Meinungsäußerung im Internet ausgelöst. In seinem letzten Blogeintrag verabschiedete sich "Minerva" von seinen Lesern: "Ich werde meinen Mund halten, weil die Nation das angeordnet hat". Nun kann er seinen Mund wieder aufmachen.