Die Deflation hat an die Tür geklopft. Um 0,4 Prozent sind die Konsumentenpreise in den USA im März im Vergleich zum Vorjahr gefallen – so schnell wie zuletzt im Jahr 1955. Nur in sieben Monaten während der vergangenen 70 Jahre sanken die Preise stärker.

Ist es nicht absurd, dass der deutsche Finanzminister in einem solchen Moment vor Inflation warnt? Schließlich haben wir es derzeit nicht nur mit einem Rückgang der Inflationsraten zu tun, sondern sogar mit sinkenden Preisen. Ist es nicht offensichtlich, dass wir uns eher um Deflation als um Inflation sorgen müssen?

Genau hier liegt das Problem: Die Marktteilnehmer und Wirtschaftspolitiker laufen Gefahr, über das Offensichtliche die Gefahren zu übersehen, die hinter der nächsten Ecke lauern. Kurzfristig mögen die Deflationswarnungen richtig sein. Behält Milton Friedman mit seiner Aussage Recht, Inflation sei immer ein monetäres Problem, kann die Deflation bald schon in eine lange Phase steigender Preise umschlagen.

Warum? Nahezu alle wichtigen Notenbanken (außer der EZB) betreiben mittlerweile eine Politik des quantitative easing. Das bedeutet, dass sie nicht nur über die Zinsen die Märkte steuern, sondern direkt Staatsanleihen, faule Kredite und Aktien Not leidender Unternehmen aufkaufen. Die riskanten Papiere liegen nun in den Bilanzen der Notenbanken. Bereits vor Wochen haben wir an dieser Stelle die US-Zentralbank Fed deshalb als real-existierende Bad Bank der USA bezeichnet.

Die Zentralbanken spülen auf diese Weise mehr Liquidität in die Märkte als zu Zeiten von Alan Greenspan. Kein Problem, behaupten jene, die die nun aufkeimende Inflationsdebatte für absurd halten. Die Liquidität diene den Banken in der Krise lediglich als Sicherheitspolster. Geht es wieder aufwärts, bleibe den Notenbanken genug Zeit, auf die Bremse zu treten und die Liquidität so schnell wie sie geschaffen wurde, wieder abzuziehen.

Was für ein gewaltiger Trugschluss. Zwar ist es technisch betrachtet leicht, das Geld wieder einzusammeln: Die Notenbank erhöht die Zinsen und verkauft die Staatsanleihen in ihren Tresoren. Dafür erhält sie Geld, das sie dann einbehält. Das alles funktioniert in der Realität aber nur, wenn das Verkaufen der Papiere genauso leicht über die Bühne geht wie das Kaufen.