Eine Engländerin in Paris

Die englische Küche hat keinen besonderes guten Ruf. Am allerwenigsten im Land der Haute Cuisine. Umso erstaunlicher ist die Erfolgsgeschichte von Rose Carrarini. Nur wenige Schritte von Notre Dame entfernt betreiben die Britin und ihr französischer Mann eine der beliebtesten Bäckereien von Paris.

Die Qualität ihrer Bio-Produkte verführt sogar die linienbewusste Modeindustrie: Bekannte Boutiquen wie Colette und Designer wie Comme des Garcons lassen sich von "Rose Bakery" beliefern.

ZEIT ONLINE: Frau Carrarini, was haben Sie mit den Parisern gemacht?

Rose Carrarini:Gar nichts, warum?

ZEIT ONLINE: Viele Franzosen würden am liebsten sogar alle englischen Worte aus ihrer Sprache aussperren. Nun kommen Sie als Engländerin und machen Ihre Bio-Bäckerei zu einer der beliebtesten in Paris

Carrarini: Das ist ja nicht von heute auf morgen geschehen. Bis meine Kuchen den Geschmack von heute hatten, musste ich hart arbeiten.

ZEIT ONLINE: Sie und Ihr Mann waren eigentlich in der Textilbranche tätig. Wie sind Sie ausgerechnet zur Konditorei gekommen?

Carrarini: Unsere Begeisterung für Delikatessen war zunächst eher ein Hobby. Jedes Mal, wenn wir irgendwo unterwegs waren, suchten wir zuerst die örtlichen Restaurants und Bäckereien auf. Gepackt hat es mich schließlich in einem Restaurant in Japan: Das Essen dort war schlicht, aber das auf eine anziehende, faszinierende Weise. Und es war umwerfend gut gewürzt. Mir wurde klar: Das ist es! Ich möchte selbst solche Köstlichkeiten schaffen.

ZEIT ONLINE: Wie ging es dann weiter?

Carrarini:Ich las mich in die Theorie ein und versuchte alles umzusetzen: wir machten eine Bäckerei in London auf, gleichzeitig arbeitete ich unter verschiedenen Küchenchefs, sah zu und lernte.

ZEIT ONLINE: Was war Ihre wichtigste Erkenntnis?

Eine Engländerin in Paris

Carrarini:Weniger Zucker. Überall, in den Konditoreien und in den Rezeptbüchern, ist alles viel zu süß. Ich habe die Menge an Zucker halbiert, und es schmeckte besser, intensiver.

ZEIT ONLINE:Sie waren in London bald sehr erfolgreich. Warum sind Sie nach Paris gegangen?

Carrarini:Ursprünglich ging es uns um die Zutaten. Ab einem gewissen Punkt ist Backen eine Kunst, und man möchte sich weiterentwickeln. Wir dachten, das ging in Paris eher, die Zutaten dort wären frischer und besser als in London. Von den Märkten waren wir dann aber enttäuscht: viele Früchte und Zutaten stammten aus dem Ausland, obwohl die Franzosen vor der Stadt doch eigentlich alles hatten. Bei den Bauern im Umland fanden wir dann, was wir suchten. Einige von ihnen beliefern uns heute regelmäßig.

ZEIT ONLINE: Mit welchem Ihrer Kuchen haben Sie die Franzosen überzeugt?

Carrarini:Der Wichtigste war mein Karottenkuchen. An seiner Zubereitung hatte ich in England lange experimentiert, immer wieder habe etwas gefunden, eine winzige Änderung, die ihn etwas besser gemacht hat. Ich kam also in gewisser Hinsicht gut vorbereitet nach Paris.

ZEIT ONLINE: Wer kommt zu "Rose Bakery"?

Carrarini: Es kann schon mal sein, dass ein hochrangiger Politiker in der Schlange hinter einem Obdachlosen und vor einer Touristin aus Südkorea steht. Wegen der großen Nachfrage arbeiten heute täglich acht Küchenmeister in unserem Laden. Vor einigen Wochen haben wir eine zweite Bäckerei in Paris eröffnet.

ZEIT ONLINE: Worauf kommt es Ihrer Meinung nach am meisten an beim Backen?

Carrarini:Es ist nicht wichtig, dass man sich immer etwas Kompliziertes vornimmt. Aber es ist wichtig, sich Zeit zu nehmen. Backen ist etwas Wunderbares. Man sollte es genießen.

Die Fragen stellte Christian Heinrich.

Das Kochbuch von Rose Cararrini, "Breakfast Lunch Tea: Rose Bakery", ist auf Deutsch beim Phaidon Verlag erschienen. Darin findet sich unter anderem auch die Anleitung für den berühmten Karottenkuchen.

Rose Bakery: 46, rue Martyrs, Paris 75009