Carrarini:Weniger Zucker. Überall, in den Konditoreien und in den Rezeptbüchern, ist alles viel zu süß. Ich habe die Menge an Zucker halbiert, und es schmeckte besser, intensiver.

ZEIT ONLINE:Sie waren in London bald sehr erfolgreich. Warum sind Sie nach Paris gegangen?

Carrarini:Ursprünglich ging es uns um die Zutaten. Ab einem gewissen Punkt ist Backen eine Kunst, und man möchte sich weiterentwickeln. Wir dachten, das ging in Paris eher, die Zutaten dort wären frischer und besser als in London. Von den Märkten waren wir dann aber enttäuscht: viele Früchte und Zutaten stammten aus dem Ausland, obwohl die Franzosen vor der Stadt doch eigentlich alles hatten. Bei den Bauern im Umland fanden wir dann, was wir suchten. Einige von ihnen beliefern uns heute regelmäßig.

ZEIT ONLINE: Mit welchem Ihrer Kuchen haben Sie die Franzosen überzeugt?

Carrarini:Der Wichtigste war mein Karottenkuchen. An seiner Zubereitung hatte ich in England lange experimentiert, immer wieder habe etwas gefunden, eine winzige Änderung, die ihn etwas besser gemacht hat. Ich kam also in gewisser Hinsicht gut vorbereitet nach Paris.

ZEIT ONLINE: Wer kommt zu "Rose Bakery"?

Carrarini: Es kann schon mal sein, dass ein hochrangiger Politiker in der Schlange hinter einem Obdachlosen und vor einer Touristin aus Südkorea steht. Wegen der großen Nachfrage arbeiten heute täglich acht Küchenmeister in unserem Laden. Vor einigen Wochen haben wir eine zweite Bäckerei in Paris eröffnet.

ZEIT ONLINE: Worauf kommt es Ihrer Meinung nach am meisten an beim Backen?

Carrarini:Es ist nicht wichtig, dass man sich immer etwas Kompliziertes vornimmt. Aber es ist wichtig, sich Zeit zu nehmen. Backen ist etwas Wunderbares. Man sollte es genießen.

Die Fragen stellte Christian Heinrich.

Das Kochbuch von Rose Cararrini, "Breakfast Lunch Tea: Rose Bakery", ist auf Deutsch beim Phaidon Verlag erschienen. Darin findet sich unter anderem auch die Anleitung für den berühmten Karottenkuchen.

Rose Bakery: 46, rue Martyrs, Paris 75009