Die erste Runde im Streit um die Filesharing-Plattform The Pirate Bay haben der schwedische Staat und die Medienindustrie gewonnen, meldet der Nachrichtendienst Heise. Die vier Betreiber seien in Stockholm zu "jeweils einem Jahr Haft und Schadensersatz in Höhe von insgesamt 2,75 Millionen Euro" verurteilt worden. Heise berichtet, die Verteidigung hätte darauf beruht, "dass The Pirate Bay die Dateien nicht selbst hostet, sondern nur den Austausch vermittelt. Eine solche Vermittlung genieße das gleiche rechtliche Privileg wie das der Zugangsanbieter, die nicht für Verstöße ihrer Kunden haftbar gemacht werden können." Die Schöffen des Bezirksgerichts hätten das offenbar anders gesehen und die vier Piraten auch deshalb verurteilt, weil sie sie für "wohlorganisiert und kommerziell orientiert" hielten.

Das Urteil war schon vor der offiziellen Verkündung öffentlich geworden, einer der Verurteilten kommentierte spöttisch via Twitter: "Früher waren es nur Filme, jetzt kommen schon Urteile vor der offiziellen Veröffentlichung raus." Bei The Pirate Bay sei man dennoch bester Laune, heißt es bei Heise, sofort habe man Berufung eingelegt. "Beide Seiten, die Piraten und die Medienindustrie, werden das Verfahren durch alle Instanzen bringen. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil kann es noch eine Weile dauern. Die Piratenbucht wird also vorerst nicht trockengelegt", schreibt Heise in einer anderen Meldung. The Pirate Bay selbst ist weiter siegesgewiss: "Nichts wird The Pirate Bay, uns oder dem Filesharing passieren, was auch immer. Das ist bloß Theater für die Medien."

Heise hält das Gerichtsurteil für bizarr, in der Welt äußert Wieland Freund eine andere Lesart. Seit Jahren stilisierten sich die Betreiber der Seite "zu Robin Hoods eines virtuellen Sherwood Forest, die für die Freiheit der Information streiten und den armen Usern geben, was sie der reichen Industrie nehmen." Er nennt die Verurteilten "Scharfmacher, die am Tausch 'Peer to Peer' nicht schlecht verdient haben".

Freund berichtet, The Pirate Bay habe gewaltverherrlichende Inhalte geduldet und sei etwa von dem Rechtspopulisten Carl Lundström finanziert worden – er ist einer der nun Verurteilten. Im Gerichtssaal hätten "die Angeklagten zwar von großmäulig auf maulfaul umgestellt, unter dem Tisch aber bewiesen sie wie gewohnt ihre technische Überlegenheit. Während des Prozesses starteten sie einen Anonymisierungsdienst, während des Schlussplädoyers starteten sie die Pirate-Bay-Server neu – per Fernwartung."