Es ist der Lauf der Natur, dass Tiere und Pflanzen sich neue Lebensräume erschließen. Normalerweise passiert das schleichend. Nur wenn eine Art an ein Ökosystem gut angepasst ist, kann sie sich ausbreiten und andere Arten verdrängen. Zumindest so lange, bis auch ihre natürlichen Feinde den neuen Lebensraum entdeckt haben.

Hat der Mensch die Hände im Spiel, werden diese natürlichen Evolutionsmechanismen zuweilen ausgehebelt. Dann gelangen exotische Tiere und Pflanzen in Länder, in denen sie keine natürlichen Feinde haben. Und ehe sich die heimischen Arten an den Eindringling anpassen können, hat der sich ausgebreitet und das Ökosystem kahl gefressen. Auch für die Landwirtschaft kann die Invasion einer neuen Art fatale Folgen haben.

Die Chinesische Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis) ist eines der beliebtesten Beispiele für so einen aggressiven Neozoen. Sie kam zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Europa – vermutlich als blinder Passagier im Ballastwasser großer Tanker.

Und in Australien kämpfen Naturschützer seit Jahren gegen die Ausbreitung der Aga-Kröte (Bufo marinus), die ursprünglich aus Amerika stammt. Sie wurde in Australiens Zuckerrohrplantagen sogar absichtlich als Schädlingsbekämpfer angesiedelt. Inzwischen haben weit mehr als 100 Millionen Kröten das Land erobert – sie fressen alles, was ihnen auf ihren Wanderungen in die Quere kommt. Außerdem sondern die Riesenkröten ein Gift ab, das für Tier und Mensch gefährlich ist.

Dagegen wirken die graubraunen Gänse, die man seit einiger Zeit häufig in norddeutschen Parks und auf vielen Seen sieht, geradezu harmlos. Ein Trugschluss, denn Branta canadensis, die kanadische Gans, ist ein skrupelloser Eindringling, der die heimischen Bless- und Moorhühner aus ihrem Revier verdrängt. Sie kann ganze Ökosysteme zum Kippen bringen, wenn ihre Ausscheidungen Seen zu viele Nährstoffe zuführen.